Pferdialog macht Sommerpause

Sommerferien Wanderreiten

Liebe Leserinnen und Blogbesucher,

es sind Ferien, Mann und Kinder sind zu Hause und die Zeit am PC ist knapp bemessen. Deshalb habe ich mich entschlossen, für meinen Blog einen Sommerpause einzulegen. Ich werden weiterhin die TV-Tipps aktualisieren und auch ab und zu ein neues „Video der Woche“ und ein neues Zitat für die Reihe „Reitlehre mit Dr. Ritter“ einstellen. Wenn mir spannende Nachrichten oder interessante Neuigkeiten begegnen, werde ich auch diese einstellen. Vorbeischauen lohnt sich also trotzdem – zumal ihr ja auch im Archiv stöbern könnt – vielleicht gibt es da ja denn ein oder anderen Artikel, den ihr noch nicht gelesen habt… Ich will die Pause auch nutzen, um endlich drei Bücher zu lesen, die hier auf meinem Schreibtisch schon seit Wochen darauf warten, rezensiert zu werden. Eines davon ist der „Praxiskurs Bodenarbeit“ von Babette Teschen und Tania Konnerth. Dieses Buch möchte ich in den nächsten Wochen selbst mit meinem Pferd durcharbeiten, um dann hier von meinen Erfahrungen berichten zu können. Anfang September geht es dann wieder mit regelmäßigen, eigenen Artikeln weiter!

Sehr interessanter Beitrag über die Sehfähigkeit von Pferden

Unter diesem Link findet ihr einen sehr interessanten Artikel von der Pferdephysiotherapeutin Sabine Ullman als PDF-Dokument zum kostenlosen Download:
„Wie Pferde sehen – erstaunliche Einblicke“. In dem sehr schön geschriebenen Text geht es unter anderem um den Zusammenhang zwischen den Fluchtreflexen des Beutetiers Pferd und seinem speziellen Sehvermögen, um die eingeschränkte Sicht beim Reiten durch eingerollte Hälse, um den Aufbau von Vertrauen, um pferde’augen’gerechte Haltung, das Sehen von Farben und in der Dunkelheit und schließlich um pferde’augen’gerechtes Training. Am besten: Selber lesen!

Deutschland Monitor zum Thema Pferdegesundheit

Gesundheitsmonitor Pferd Deutschland
Jedes vierte Pferd wohnt in Offenstallhaltung / Neun von zehn Pferdebesitzern sind zufrieden mit medizinischer Behandlung / Jedes dritte Pferd ist 20 Jahre alt und älter / Fütterung erfolgt oft nur zweimal täglich

Münster, 15. Juli 2013
Was wird in Deutschlands Ställen in Sachen Pferdegesundheit unternommen und wie sind die Haltungsbedingungen? Ein umfassendes Bild liefern die Ergebnisse der aktuellen Umfrage des Magazins Reiter Revue International, die im Januar und Februar 2013 durchgeführt wurde.

Obwohl in Pferdehalterkreisen hinlänglich bekannt ist, dass Pferde Rau- und Kraftfutter in mehreren kleinen Portionen über den Tag verteilt fressen sollten, ist die zweimalige Rau-und Kraftfuttergabe noch immer üblich (42 Prozent) in deutschen Pferdeställen. Dabei unterscheiden sich die einzelnen Bundesländer kaum. 83 Prozent der Pferdehalter geben ihrem Vierbeiner neben Wasser, Rau- und Kraftfutter allerhand Zusatzfutter – in erster Linie Mineralstoffe, aber auch Vitamin- und Kräutermischungen.

Der Offenstall mit Weidezugang ist nicht die bevorzugte Haltungsform, aber mit 23 Prozent bundesweit schon recht weit verbreitet. Die regionalen Unterschiede sind auffällig: Während die Innen-Box in den Stadtstaaten wie Hamburg, Bremen und Berlin beliebt ist, setzt man beispielsweise in Baden-Württemberg und im Saarland (beide jeweils 38 Prozent) stark auf Paddock-Boxen.
Die gute Nachricht: Die an der Umfrage teilnehmenden Pferdehalter bewegen ihre Pferde regelmäßig. 70 Prozent gaben an, ihre Pferde mindestens vier Mal pro Woche bis täglich unter dem Sattel zu haben. Jedes dritte Pferd ist 20 Jahre alt oder älter, aber nur sechs Prozent sind „im Ruhestand“, was ein Beweis für die Langlebigkeit und Fitness der Pferde ist.

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Pferde sind Grasfresser – so sagt man uns. Stimmt das wirklich?

Pferde auf der Weide

Nachdem der Artikel über die selektive Entwurmung von Klaus-Rainer Töllner auf so große Resonanz gestoßen ist, habe ich bei Artgerecht-Tier.de die Erlaubnis zur Veröffentlichung eines weiteren Gastartikels dieses Autors erfragt. Ich finde ihn selbst höchst interessant und bin gespannt, was ihr darüber denkt.

Pferde sind Grasfresser – so sagt man uns. Wenn das stimmte, leben unsere Pferde heute im Schlaraffenland, denn auf allen Wiesen wächst viel fettes, grünes Gras. So ideale Verhältnisse hat es für Pferde in ihrer langen Entwicklungsgeschichte noch nie gegeben. Grün ist die Landschaft, wohin man schaut, von Füssen bis Flensburg, von Aachen bis Zittau. Wunderbar. Wenn Pferde Grasfresser sind, ist für sie die Welt in bester Ordnung.

Und nicht nur für sie, auch den Bauern kommt das entgegen. Jetzt steht das Gras schon im April bis Anfang Mai so hoch, dass man es mähen kann, nicht erst Mitte oder Ende Juni, wie früher. In meiner Nachbarschaft wurden die Wiesen im vergangenen Jahr sechsmal gemäht. Alles für Pferde. Gewaltige Erträge. Ist das nicht phantastisch? Man muss das Gras nun auch nicht mehr trocknen. Man macht, ganz modern, heute Silage oder Heulage daraus. Heu zu machen ist unmodern und auch überflüssig, wie es die Wissenschaftler bewiesen haben.

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Philippe Karl gegen Gerd Heuschmann – Der Légèreté-Streit und seine philosophische Bedeutung Teil 2

Legerete contra Deutsche Reitlehre

Neuromuskuläre Mobilisation beim Menschen: Feldenkrais-Methode und Alexander-Technik 

Bevor wir uns dem Reiten in Légèreté zuwenden, möchte ich eine Brücke schlagen. Das Beispiel Yoga zeigt, dass Flexibilität und Stabilität eine Grundvoraussetzung schmerzfreier Bewegung beim Menschen sind. Die meisten Rückenschmerzen, die Menschen haben, beruhen auf falsch eingesetzter, chronisch verspannter Muskulatur. Sie haben mithin Ihren Ausgangspunkt in Fehlhaltungen, die ca. ab dem dritten Lebensjahr des Kindes Einzug halten und die wesentlich mit unserem kulturell anerzogenen Sitzverhalten zu tun haben. Sitzen in einer Couch oder selbst nur auf einem Stuhl, wie wir es uns selbst und unseren Kindern über mehrere Stunden am Tag abverlangen ist eine völlig unnatürliche Form der menschlichen „Bewegung“ gegen die Schwerkraft. Im Gehen, im Hocken, im Liegen und auch in einigen Formen des Sitzens (z.B. mit ausgestreckt gewinkelten Beinen am Boden), hat unser Körper die Möglichkeit in seinen Schwerpunkt/in sein Lot gegen die Schwerkraft zu fallen. Dieses Fallen aber aktiviert die kinematische Kette unserer autochonen Muskulatur, also jener evolutionsgeschichtlich älteren Muskulaturanteile, die wir nicht willentlich bewegen können, die aber wesentlich für die Stabilität unseres Körpers gegen die Schwerkraft zuständig sind. Das Sitzen in der Couch entspricht nun einer anderen Art des Fallens: Dem Fallen nach hinten. Unser Schwerpunkt verlässt dabei unsere Stützbasis und es kommt zu einer Situation völliger Dysbalance. Aus diesem Extrem-Ungleichgewicht können wir uns nun nur wieder befreien, wenn wir uns mit Hilfe von Kraft, und d.h. unserer aktiven, dem Willen unterstellten Bewegungs- oder Handlungsmuskulatur, aus der dysbalancierten Position – z.B. der Lage in der Couch – wieder „herausziehen“. Umso öfter wir das machen, umso mehr trainieren wir unsere Bewegungsmuskeln und erzeugen Fehlhaltungen, die letztlich auch im Stand, im Gehen etc. bestehen bleiben. Nun beginnt ein Teufelskreislauf: Wir können nämlich plötzlich nicht mehr im Lot mit der Schwerkraft stehen – aufgrund der Fehlhaltungen – und müssen auch jetzt wieder die aktive Muskulatur einsetzen um nicht umzufallen. Mehr und mehr Stabilisieren wir unseren Körper über die aktiven Muskeln und immer weniger über die autochone Muskulatur. Da der Prozess nicht bewusst abläuft, etablieren wir nicht-effiziente Bewegungsgewohnheiten ohne es zu merken. Es sind diese Bewegungsgewohnheiten, die auf Dauer zur Überlastung einzelner Strukturen führen und so z.B. Rückenschmerzen entstehen lassen. Leider folgen wir, sobald wir Rückenschmerzen haben oft dem Dogma, das unsere aktive Muskulatur zu schwach ist um uns zu halten und das deswegen die Rückenschmerzen entstehen. Wir trainieren dann Sit-Ups oder arbeiten an Geräten um unsere aktiven Muskeln zu stärken. Was wir dabei aber wirklich stärken, sind die Fehlhaltungen, die allererst unsere Probleme erzeugt haben. Chronische Schmerzkreisläufe entstehen so, die kaum noch zu durchbrechen sind. Seit dem frühen zwanzigsten Jahrhundert sind jedoch einige Bewegungstherapien entstanden, die ein anderes Vorgehen vorschlagen. Sie setzen bei der Idee an, dass nicht-effizientes Bewegungsverhalten durch ein Neu-Erlernen von effizientem Bewegungsverhalten ersetzt werden muss. Zwei dieser „Methoden“ sind die Alexandertechnik und die Feldenkrais-Methode. Dort wo Alexander wesentlich unser Verhalten in Basisbewegungen wie Stehen, Sitzen, Gehen untersucht und durch bewusste Anweisungen an uns selbst ein Korrekturverhalten einzuleiten trachtet, arbeitet Feldenkrais vor allem mit dem Spiel der Elemente unseres Körpersystems: Körperteile werden einzeln, nach- und schließlich miteinander so bewegt, dass der Sitz unseres Bewegungsvermögens, das Gehirn, neuronal affiziert wird und Bewegungen neu lernt. Die sprachliche Begleitung der Bewegungen schließt dabei die Lücke zwischen unbewusstem und bewusstem Verhalten. Beiden Methoden gemein ist, dass Sie nicht über Kraft operieren, sondern über eine möglichst sanfte und sensible Mobilisierung des Körpers. Langsamkeit und Aufmerksamkeit geht dabei vor Tempo und Bewegungsausmaß. Gleichzeitig beschäftigen sich beide mit dem Verhältnis des Körpers zur Schwerkraft und suchen die Bahn der effizienten Bewegung, die so mühelos abläuft, dass sie an jedem Punkt umkehrbar bleibt und Spontanität zulässt. Vorgefasste Haltungsideen, ästhetische Ansprüche werden dabei möglichst außen vorgelassen, da sie ein nicht-effizientes Eingreifen von aktiver Muskulatur in die Bewegungen bedeuten. Nach und nach kann so die autochone Muskulatur Ausgangspunkt von unseren Bewegungen, den einzelnen Handlungen des Menschen via der aktiven Muskulatur werden. Nun werden Bewegungen insgesamt leichter, freier und die allgemeine Haltung verbessert sich in einem neugefundenen Einklang mit der Schwerkraft. Dass das z.B. bei der Alexander-Technik funktioniert und gegen Rückenschmerzen hilft, haben unlängst Untersuchungen in Groß-Britannien gezeigt.

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Philippe Karl gegen Gerd Heuschmann – Der Légèreté-Streit und seine philosophische Bedeutung Teil 1

Legerete contra Deutsche Reitlehre

Heute möchte ich wieder einen Gastartikel veröffentlichen, den ich selbst sehr spannend finde. Der Autor Matthias Majors beschäftigt sich in seinem Text mit den Unterschieden zwischen der deutschen und der französischen Reittradition (Légèreté). Als Aufhänger dient der Streit zwischen Philippe Karl und Gerd Heuschmann aus dem Jahr 2010, der in dem Artikel noch einmal kurz zusammengefasst wird. Ich habe diesen Konflikt damals verfolgt und fand es sehr schade, dass der Gedankenaustausch zwischen diesen beiden kompetenten Fachleuten danach abgebrochen wurde – es hätte für beide Richtungen sicher viel positives entstehen können, wenn statt persönlicher Eitelkeiten das Interesse am Austausch und der eigenen Weiterentwicklung im Vordergrund gestanden hätten.

Ich stimme mit den Positionen von Matthias Majors nicht in allen Punkten überein – seine Ansichten zum „über den Rücken reiten“ in der deutschen Reitlehre finde ich zumindest diskussionswürdig. Wer schon einmal auf einem Pferd gesessen hat, das den Rücken aufwölbt und dabei locker und schwungvoll vorwärts geht, wird seine Theorie von der verkrampften Brücke wahrscheinlich mit mir anzweifeln. Dennoch finde ich seine Ausführungen so interessant und anregend, dass ich den Artikel gerne empfehlen und vor allem sehr gerne mit euch diskutieren würde. (Wem der studierte Philosoph stellenweise zu philosophisch wird, dem empfehle ich, trotzdem weiter zu lesen – es wird dann auch wieder „praktisch“). Da der Artikel sehr lang ist, werde ich ihn in zwei Teilen veröffentlichen – viel Spaß beim Lesen!

Polemischer Auftakt

Es kommt heute nur noch selten vor, dass man/frau Zeuge einer ästhetischen Auseinandersetzung werden darf, die in ihrem Wesen prinzipiellen Charakter hat. Zwar ist der sogenannte Légèreté-Streit von 2010, nicht wirklich wichtig für den Lauf der Welt, sondern nur ein Scharmützel auf dem Schlachtfeld einer gehobenen Sportart, aber dennoch berührt er eine nicht abgeschlossene Diskussion, die für das Leben der Menschen auf diesem Planeten ggf. von erheblicher Bedeutung ist. Die Diskussion, die ich meine, wird im Allgemeinen nicht wirklich offen geführt. Sie schwelt im Hintergrund, sie findet in der Tiefenstruktur der Aussagen statt, sie bezieht sich auf Lebensentwürfe und deren „Grammatik“, d.i. deren Entfaltung von Bedeutung innerhalb unseres Sprechens. Es ist die Diskussion darum, wie man nun leben sollte: Orientiert an Begriffen wie Leistung, Kraft, Anstrengung, Verdienst, Ernst, Arbeit oder eher doch Leichtigkeit, Schönheit, Freude, Spaß, Spiel. Es ist die Diskussion, der es um die vermeintliche Entscheidung geht, wie man besser auf die existentielle Grundsituation unseres Lebens – die Notwendigkeit zu Überleben – reagiert: durch den Sport/die Arbeit oder die Kunst/das Spiel.
Es ist viel Polemik in diesen ersten Worten, aber ich will ja, dass Sie neugierig darauf werden weiter zu erfahren, was genau ich da im Sinn habe. Um das darzustellen, wenden wir uns dem Reiten und dem Légèreté-Streit genauer zu:
Ursprünglich ausgelöst in einem engeren Sinne wurde dieser Streit durch Philippe Karls Buch Irrwege der modernen Dressur von 2006. Dem Buch folgte zunächst 2008 die offene Auseinandersetzung zwischen Karl und der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), damals vertreten durch ihren Chef-Ausbilder Christoff Hess, im auch auf Video erschienenen Streitgespräch ‚Klassisch contra Classique‘ und dann 2009 die gemeinsame Veranstaltung von Karl und dem Tierarzt Dr. Gerd Heuschmann in Verden an der Aller. Diese Veranstaltung trieb die Auseinandersetzung 2010 im offen diskutierten Bruch zwischen Karl und Heuschmann auf den Höhepunkt: Ein in der damals noch existierenden Pferdezeitschrift Pegasus erschienener Artikel von Gerd Heuschmann mit dem Titel „Vergesst Eure Hände“, die ihm folgende Gegendarstellung Karls auf seiner Webseite, die Leserbriefe und Gegenartikel zu Heuschmanns Text in der Pegasus, eine nicht enden wollende Diskussion auf der Gästebuchseite der Hompage Gerd Heuschmanns und eine mehr oder minder voll dem Thema zuschreibare Ausgabe der „Heuschmann-nahen“ Zeitschrift Piaffe, beendeten die Zusammenarbeit Karl-Heuschmann, aber auch die offene Diskussion um die Légèreté. Seit dem ist es still geworden. Die FN sieht Karl nicht mehr als Gegner und dieser schweigt sich aus, trainiert seine eigenen Schüler, schaltet sich aber nicht mehr aktiv in die deutsche Reitdebatte ein. Wieder einmal so scheint es – Sie verzeihen den Vergleich – hat ein Franzose mit der Aufklärung im Gepäck den Rhein überschritten und muss sich dann doch geschlagen zurückziehen und anderen Orts offene Ohren suchen. Ich will hier – um in der historischen Analogie zu bleiben – für ein paar Seiten der deutsche Heine sein, der ihm nachgeht um noch einmal zu hören, was er sagte und ggf. einige seiner uns hingeworfenen Perlen zu retten.

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Kursbericht: Pferdemassage mit Nicole Ewald

Dehnübungen über die Hinterbeine


Durch das Buch „Illusion Pferdeostheopathie“ von Tanja Richter (siehe auch die Rezension hier auf meiner Seite), kam ich auf die Idee, dass ich gerne lernen würde, wie man selbst kleinere Verspannungen beim Pferd erkennt und beseitigen kann. Ich informierte mich also über das Angebot an Massagekursen für Pferde und stieß dabei auf die Physiotherapeutin und Osteopathin Nicole Ewald, die solche Kurse auf Wunsch auch am eigenen Stall durchführt. Nachdem die ersten Schwierigkeiten wie kurzfristige Absagen von Teilnehmerinnen und schlechtwes Wetter überwunden waren, trafen wir uns am vorletzten Wochenende für einen Vormittags-Kurs.

Nicole Ewald ist Pferdewirtin Zucht und Haltung, Tierarzthelferin und tiermedizinische Fachangestellte. Ihre therapeutische Ausbildung umfasst ein Diplom in osteopathischer Pferdetherapie nach Welter-Böller, eine Tierakupunktur-Ausbildung nach Traditioneller Chinesischer Medizin und eine Weiterbildung in Osteopatischer Akupunktur nach Dr. Yves Guray. Sie hat selbst eine Vollblutstute mit der sie Vielseitigkeit reitet.
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Buchrezension Sibylle Wiemer: Gymnastizierendes Reittraining. Die besten Übungen

Die besten Übungen

Gymnastizierendes Reittraining

Heute möchte ich euch das neue Buch der Reitlehrerin und Diplom-Pädagogin Sibylle Wiemer vorstellen.
Das Buch wendet sich (auch) an Einsteiger, denn es sind viele sehr grundlegende Dinge erklärt, wie beispielsweise das richtige Wechseln der Gerte, das Anreiten im Schritt oder der Handwechsel. Andererseits tut es sich er auch fortgeschrittenen Reitern sehr gut, sich mit diesen Dingen wieder einmal im Detail zu beschäftigen und (wieder) zu entdecken, welches Übungs- und Verbesserungspotential in solchen scheinbaren Kleinigkeiten steckt. Daneben gibt es durchaus auch recht anspruchsvolle Übungen wie Schlangenlinien mit und ohne Biegungswechsel, die Schaukel und das Übertreten lassen in verschiedenen Variationen.

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Maulkörbe als Zahnkiller?

Fressbremse mit Nagespuren

Maulkörbe oder Fressbremsen sind in den letzten Jahren unter Pferdehaltern ein immer beliebteres Hilfsmittel geworden, um ihren zu dicken oder zu Rehe neigenden Pferden längeren Weidegang zu ermöglichen. Der Pferdezahnarzt Lars Schulte aus Reinfeld in Schleswig-Holstein warnt jetzt allerdings vor einem bisher wenig beachteten Risiko: Durch häufiges Grasen mit der Fressbremse können die Schneidezähne starke Schäden davon tragen. Herr Schulte hat mir freundlicherweise erlaubt, den Text von seiner Webseite auch hier zu veröffentlichen. Er hat inzwischen schon Rückmeldungen von den betroffenen Herstellern, die sich für Verbesserungsvorschläge offen gezeigt haben und ihre Modelle dementsprechend ändern wollen. Bis dahin sollte man vorhandene Maulkörbe auf jeden Fall überprüfen und gegebenenfalls auch die Zähne seines Pferdes kontrollieren lassen. Aber lest selbst:

Zahnabrasion durch Benutzung eines Maulkorbs

Zahnabrasion durch Benutzung eines Maulkorbs

Des Öfteren behandele ich Pferde mit auffallend stark abgenutzen mittleren Schneidezähnen….

Bei all diesen Patienten ist es so, das die Tiere mit einem Maulkorb auf die Weide kommen. Dabei entsteht aber ein Problem, welches Sie dringend beachten müssen! Gemäß seiner Natur versucht das Pferd trotz des Maulkorbes zu fressen. Hierbei drückt es den Maulkorb fest ins Gras und nimmt dann die Halme auf, welche zwischen den Öffnungen durchreichen. Das Problem ist, dass die Pferde mit Ihren Schneidezähnen jedesmal den Kunststoff des Korbes abschaben, wodurch auf Dauer sich äußerst scharfe Kanten bilden.

Dadurch kommt es zu übermäßigem Abschleifen des Zahnschmelzes an den Schneidezähnen, wodurch sehr schmerzhafte Folgen entstehen können (Karies, offene Pulpa,Zahnfleischläsionen).

Alle Modelle die aus hartem Kunststoff bestehen, zeigen diese Problematik. Überprüfen Sie bitte regelmäßig den Maulkorb Ihres Pferdes um irreparable Schäden an den Zähnen zu vermeiden.
Hier sehen Sie einen sehr aktuellen Fall, wo schon deutlich die einzelenen Schichten des Zahnes in Mitleidenschaft gezogen wurden. Wenn dieses Pferd nicht umgehend eine andere Lösung bekommt, besteht die Gefahr, dass noch in dieser Saison durch das starke abschaben die Pulpa (Nerv) eröffnet wird und der Zahn stirbt. Zudem ist dies sehr schmerzhaft für das Tier.

Zahnabrasion durch Fressbremse

Zahnabrasion durch Fressbremse

 

Wurmkuren häufig überflüssig? Teil 2

Regelmäßiges Absammeln ist wichtig, um Neuinfektionen zu vermeiden.

 

Auf den ersten Teil dieses Artikels habe ich sehr viel Rückmeldung und Kommentare bekommen – mehr als auf alle anderen Artikel bisher! Das zeigt mir zum einen, dass dieses Thema auf sehr viel Interesse stößt, zum anderen aber auch, dass es uns Pferdehalter polarisiert und emotional ziemlich aufgeladen ist. Die Diskussion erinnert mich an die um das Thema „Impfungen bei Kindern“: Als ich mich damit beschäftigt habe, ob, gegen was und wann ich meine Kinder impfen soll, musste ich feststellen, dass dies ein heiß umkämpftes Feld ist: Auch hier gibt es vom massiven Impfbefürworter bis zum totalen Gegner – jeweils mit entsprechender Panikmache, was alles passieren kann, wenn man sein Kind impft, bzw. nicht impft – alle Variationen, auch hier hat die Pharmaindustrie massive Interessen und versucht entsprechend, Einfluss zu nehmen und auch hier wird die Diskussion sehr emotional geführt… Ähnlich ist es beim Thema „Impfungen beim Pferd“ – ich werde versuchen, hierzu demnächst einen entsprechenden Artikel zu veröffentlichen. Aber nun erst noch einmal zu den Würmern:

Würmer sind keine Krankheit – Teil 2

Der Krieg gegen die Würmer ist verloren

Jeder macht sich von der Welt viele Bilder, die er wie ein Pussel zusammensetzt zu einem möglichst geschlossenen und widerspruchsfreien Weltbild. Wem es gelingt, den Menschen eine bestimmte Anschauung eines Themenbereiches als einzig richtige und möglichst wissenschaftlich bewiesen, also – wie man meint – unbezweifelbar, darzustellen, hat die Menschen in der Hand, kann sie nach seinen Interessen manipulieren und daraus ein phantastisches Geschäft machen.
So geschieht es ständig in vielen Bereichen. Bei Würmern und der angeblichen Pflicht, die Pferde, Hunde und Katzen mindestens viermal im Jahr zu entwurmen, ist das den Herstellern der chemischen Wurmkuren und den Veterinären hervorragend gelungen. Kaum jemand zweifelt mehr daran, dass diese Vorgehensweise absolut richtig und unerlässlich ist. Stallbesitzer maßen sich an, diese Methode zur Pflicht zu erklären – nicht anders die Hundezuchtverbände – ja, sie lassen sich das in Verpflichtungserklärungen sogar unterschreiben, und jeder, der sich dagegen stellt, wird angegriffen und beschimpft.

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10 goldene Regeln für das Reiten im Gelände

1. Wer zuerst oben ist reitet los, dies ist eine gute Übung für die Mitreiter, auch im Traben aufzusteigen.

2. Beim angaloppieren möglichst den Überraschungseffekt ausnutzen, auch Frühstarts sind gewollt, es geht schließlich darum, als erster das Ziel zu erreichen.

3. Die nachfolgenden Reiter können jederzeit das Blatt wenden, möglichst eng vorbeigaloppieren und die anderen Pferde abdrängen ist ein gutes Mittel, ebenso wie dichtes Aufreiten. Bei glücklicher Konstellation fällt das Vorderpferd durch Ballentritt aus.

4. Sollte der Gruppengalopp langweilig werden ist es ein gutes Mittel, die Aufmerksamkeit der nachfolgenden Reiter und Pferde zu erhöhen, indem man spontan abbremst oder ständige Tempowechsel einführt, damit bringt man selbst die langweiligsten Schnarchnasen auf Zack. Genauso sollte es tunlichst vermieden werden durch Handzeichen die Tempowechsel anzukündigen, es könnte den Eindruck erwecken, Rücksicht zu nehmen.

5. Zählt man zu den einigermaßen geschickten Reitern ist es ebenfalls hilfreich bei Trabstrecken sein Pferd zurückzuriegeln bis ein einigermaßen deutlicher Abstand zur Gruppe erreicht ist um es dann geschickt lospreschen zu lassen um den Vordermann durch deutliches Anschieben klar zu machen, daß man gerne ein schnelleres Tempo reiten möchte. Sollte dieser das ignorieren, so stellt sich der Erfolg meist nach ein paar Wiederholungen ein.

6. Generell bestimmt der beste Reiter mit dem schnellsten Pferd das Tempo, den Anderen steht es frei stets hinterher zu zackeln. Der Vordermann sollte immer sein Tempo so wählen, damit der Hintere ohne reiterliche Hilfen genügend Abstand halten kann. Das dichte Aufreiten regeln die Pferde meist von selbst, daher ist ein Eingreifen von Seiten des Reiters hier ebenfalls nicht nötig.

7. Das Telefonieren mit dem Handy sollte stets auf möglichst stark befahrenen Strassen erfolgen, um den Autofahrern deutlich zu zeigen, das dies beim Reiten erlaubt ist. Besondere Aufmerksamkeit erreicht man beim Reiten von Schlangenlinien am langen Zügeln. Weitere Regeln der StvO sind zu ignorieren, im wilden Westen galt schließlich auch das Gesetz des Stärkeren. Ausreichende Beleuchtung des Pferdes ist in der Dämmerung ebenso zu vermeiden, die Autofahrer werden in Zukunft wesentlich konzentrierter, wenn plötzlich ein schwarzes Pferd mit dunkel gekleidetem Reiter auf der Motorhaube sitzt.

8. Beim Überqueren von stark befahrenen Straßen sollte jeder für sich selber sorgen und die kleinste Lücke nutzen, um es zu vermeiden sein Pferd unnötig lange warten zu lassen.

9. Beim Durchreiten von herabhängende Äste möglichst aufrecht sitzen bleiben, den Zweig so lange in der Hand halten bis er schwungvoll den Hintermann darauf aufmerksam macht, daß auch eingroßzügiger Abstand sinnlos ist.

10. Wer zuerst wieder heil im Stall ist hat den heutigen Ausritt gewonnen, sein reiterliches Geschick hebt sich deutlich von den Anderen ab, somit ist eine Weiterbildung für Ross und Reiter völlig nutzlos. Das Einsammeln von freilaufenden Pferden oder die Suche nach deren Reitern ist absolut unnütz, ein guter Reiter überzeugt durch seine Arroganz den Schwächeren gegen über.

Mit freundlicher Genehmigung von Pferd Spezial.

Labor für die selektive Entwurmung

Zu dem heutigen Artikel habe ich noch einen Tipp einer Leserin bekommen:
Das veterinärmedizinische parasitologische Labor ‚Der Wald‘ ist ein Speziallabor, das sich ganz auf die Diagnostik und die Bekämpfung von Magen-Darm-Würmern konzentriert. Schwerpunkt der Tätigkeit ist die Untersuchung von Kot und die damit einhergehende Beratung in Bezug auf die Wurmbekämpfung bei Pferden und Hunde. Sie können dort ein Wurmcheck-Kit bestellen. Darin befindet sich alles, was Sie brauchen, plus einer Anleitung zur Entnahme der Kotprobe.
Außerdem gibt es auf der Seite umfngreiche Infos zur Kotuntersuchung, zu Würmern bei Pferden und Wurmbekämpfung.

Wurmkuren häufig überflüssig? Neue Erkenntnisse zu einem viel diskutierten Thema

Ein Pferd bekommt eine Wurmkur

Bis vor kurzem haben wir unsere Pferde regelmäßig zwei bis dreimal im Jahr entwurmt. Im Herbst gab es die „Große“, also auch gegen Bandwürmer – genau wie es seit Jahren von Tierärzten und in Pferdezeitschriften empfohlen wurde. In diesem Frühjahr kam nun unsere Stallbetreiberin auf die Einsteller zu mit dem Vorschalg, es einmal mit „selektiver Entwurmung“ zu versuchen: Von allen Pferden würde eine Kotprobe genommen, untersucht und nur die Pferde sollten entwurmt werden, bei denen die Zahl der Eier im Kot einen bestimmten Wert überschreitet. So wurde es gemacht. Das verblüffende Ergebnis: Von allen getesteten Pferden musste nur ein Einziges entwurmt werden! Und das, obwohl wir mit der Weidehygiene nicht gerade vorbildlich sind… Ich war natürlich sehr froh, meinem Pferd die geballte Ladung Gift, die eine Wurmkur nunmal leider darstellt, ersparen zu können. Kostenmäßig ist es nicht unbedingt eine Ersparnis, denn die Kotproben, die im Sommer noch einmal wiederholt werden müssen, müssen auch bezahlt werden. Aber viel lieber gebe ich Geld dafür aus, als für ein starkes Medikament, das noch dazu möglicherweise überflüssig ist!

Kurz danach entdeckte ich im Internet einen sehr spannenden Artikel zu diesem Thema, indem genau diese Methode erklärt wird. Weil ich ihn so interessant fand, habe ich die Herausgeber gebeten, ihn hier veröffentlichen zu dürfen. Die Seite „Artgerecht-Tier“, auf der er ursprünglich erschienen ist, möchte ich euch wärmstens empfehlen: Hier finden sich noch viele weitere spannende Artikel, nicht nur für Pferde-, sondern auch für Hunde- und Katzenhalter.

Würmer sind keine Krankheit – Teil 1

Würmer sind Feinde, die man konsequent vernichten muss

Überall werden Sie dieses Kriegsvokabular finden, neulich wieder in einem großen Pferdejournal. Da lautete die Überschrift eines Artikel über das Thema Entwurmung: „Neue Taktik gegen einen alten Feind.“ Das ist Krieg. Krieg als Daueraufgabe für Tierhalter und Veterinärmediziner. 
Es gibt noch viele andere Feinde: Viren, Bakterien, Einzeller, Pilze. Wenn man Krankheit als Anwesenheit irgendeines Keimes oder einiger Würmer definiert, dann gibt es keine gesunden Tiere. Irgendein angeblicher Feind bedroht den Körper immer. Wer suchet, der findet, und ganz sicher findet er Würmer, denn wurmfrei ist kein Pferd und kein Hund.

Entwurmen wurde zur Pflicht erklärt

Kaum ein Stall, in dem es nicht zur Pflicht gemacht wird, viermal im Jahr zu entwurmen. Das steht schon in den meisten Einstellverträgen. Bei Hunden empfiehlt man inzwischen Wurmkuren alle sechs Wochen. Bei Welpen soll der Abstand noch kürzer sein. 
Wir haben ein merkwürdiges Verständnis von ärztlicher Tätigkeit entwickelt. Es geht kaum mal um die Gesunderhaltung durch artgerechte Methoden, sondern um Bekämpfung, so wird es ja auch gesagt, also um Krieg. Medizin bedeutet Krieg um jeden Preis, Krieg an vielen Fronten, immer muss irgendein Feind, der angeblich die Gesundheit oder das Leben bedroht, bekämpft werden. Hat man sich erst einmal auf so einen Kampf eingelassen, kommt man kaum mehr aus der Falle heraus. Der Krieg zum Dauerkrieg. Und jeder muss es erleben: Diesen Kampf kann man nicht gewinnen.

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Pferde auf Barhufgehen umstellen

Pferd beschlagen oder barhuf lassen

Das Thema „Beschlagen oder barhuf lassen“ wird unter Pferdehaltern viel diskutiert. In dem Porträt über die Hufheilpraktikerin Susanne Buchner wurden gute Gründe genannt, die dafür sprechen, es ohne Eisen zu versuchen. Wie aber verläuft die Umstellung eines beschlagenen Pferdes? Lest dazu im folgenden einen Gastartikel des schweizerischen Barhufteams:

Sinnvoll wird eine Umstellung auf das Barhufgehen erst, wenn die Grundbedingungen – sprich Haltungs- und Hufpflegebedingungen – erfüllt sind. Danach muss sich der Besitzer im Klaren sein, dass er mit der Abnahme der Eisen ein Barhufpferd besitzt, und entprechend Rücksicht nehmen muss. Auch ein etwas höherer zeitlicher Aufwand muss in der Regel in Kauf genommen werden.

Die Umstellungphase dauert in der Regel 6-9 Monate, im unglücklichsten Falle 1 Jahr. Dies ist abhängig vom Zustand der Hufe während des Beschlages, von der Beschlagsdauer sowie vom Stoffwechsel des Pferdes. Auf keinen Fall kann es jedoch sein, dass Pferde nach 1 – 2 Jahren immer noch nicht umgestellt sind. Eine solche Aussage verbietet das entsprechende Hufwachstum. Sollte dies der Fall sein, muss die Hufbearbeitung überprüft werden.
Wichtig: Der Grund einer Umstellung sollten auf keinen Fall finanzielle Gründe sein.
Eine Umstellung kann jederzeit, bei jedem Pferd und jedem Alter vorgenommen werden. Grundvoraussetzungen sind wie erwähnt – die Haltungsbedingungen und die regelmässige Hufpflege!

Wie läuft eine Umstellung auf Barhuf ab?

Sollte sich der Pferdebesitzer dazu entscheiden, sein Pferd auf barhuf umzustellen, sind folgende Faktoren zu beachten:

Thermoaufnahme unbeschlagener Hufe

Unbeschlagene Hufe sind besser durchblutet als beschlagene

Aufgrund der Tatsache, dass die Blutzufuhr während des Beschlages nicht vollumfänglich gewährleistet war, hat in der Folge das Pferd während der Beschlagsdauer nichttragfähiges Horn produziert. Dies lässt sich wie folgt erklären:
Thermobilder zeigen deutlich, dass unbeschlagene Hufe eine höhere Termperatur – also eine bessere Durchblutung – aufweisen.
Aufgrund der Fixation des Hufes durch den Eisenbeschlag wird die Blutzufuhr zu den Hufen eingeschränkt. Die Aufbaustoffe für die Hufe – welche thermisch empfindlich sind – werden in den oberen Extremitäten angestaut und dort zum Teil zerstört. Der ganze Huf hat seine von der Natur aus erhaltene Elastizität stark eingebüsst und die „Hufpumpe“ kann ihren Dienst nur eingeschränkt erledigen.
Aufgrund der vorliegenden Situation kann niemand mit Gewissheit sagen, wie gut das Horn, nach der Abnahme der Eisen, das Pferd noch trägt. Massgeblich entscheidend ist der vorangegangene Hufbeschlag. Je mehr sich auf den Trachtenenden – und nur dort ist beim Beschlag noch eine Bewegung des Hufes möglich – noch bewegen konnte, desto stärker ist in der Regel das Horn.

Aus diesem Grund sollten auch NIEMALS Nägel über der breitesten Stelle an einem Huf angebracht werden! Sonst bewegt sich schlichtweg nichts mehr. Die Folge davon sind schlussendlich Pferde, bei welchen laufend Tragwände wegbrechen und welche nicht mehr beschlagen werden können.

Wir überlassen es jedem Pferdebesitzer, sich in ein beschlagenes Pferd zu versetzen. Wie wird wohl eine durch den Beschlag eingeschränkte Blutzufuhr in den Hufen wahrgenommen? Wie bei uns – eingeschlafene Füsse?? Wir gehen davon aus, dass bei manchen Pferden ein Stolpern sowie das Hufeanschlagen etc. genau auf dieses Problem zurückzuführen ist. Ferner muss man sich auch noch die Frage stellen, wie die Pferde im Winter die Kälte durch die Nägel welche in die Region der Weissen Linie geleitet werden – und dort werden die Nägel schlussendlich eingeschlagen – wahrnehmen. Man kann nur hoffen, das Pferd erfährt dies nicht wie wir – eine Trockeneiskontrolle beim Zahnarzt! Sicherlich wäre dieser Gedankenanstoss auch einmal eine Doktor-Arbeit wert.
Doch zurück zu unserem eigentlichen Thema:

Die Abnahme der Eisen sollte mit grösster Vorsicht geschehen. Wir haben gute Erfahrungen gemacht, die Hufnägel einzeln zu entfernen. Die Gefahr beim „Abreissen“ der Eisen mittels Abreisszange liegt darin, dass ganze Wandteile wegbrechen können, eine gerade während der Umstellung äusserst ärgerliche Geschichte. Danach werden die Tragwände entsprechend eingekürzt. Auf keinen Fall sollten nur die Eisen enfernt, und das Pferd so stehengelassen werden. Die Nagellöcher haben die Tragwand perforiert und genau an dieser Stelle brechen die Hufwände aus. In der Folge verliert das Pferd extrem schnell an Höhe und wird auf Sohle und Strahl fühlig. In den meisten Fällen ist bei beschlagenen Pferden eine lange „Zehe“ anzutreffen. Diese sollte unbedingt zurückgenommen werden. Ferner ist unbedingt darauf zu achten, dass die Eckstreben auf Sohlenniveau eingekürzt und die Hufwände in bezug auf die Weisse Linie ausgerichtet werden.
Es empfiehlt sich sehr, der Abnahme der Eisen sowie dem „Ersten Schnitt“ grösste Aufmerksamkeit einzuräumen!

Nach 14 Tagen ist in der Regel eine Nachkontrolle vonnöten. Erst dann kann festgestellt werden, wie tragfähig das Hufhorn noch ist. Abbrechende Teile während dieser Zeitspanne sind mittels einer Raspel zu entfernen. Sie können nicht mehr angeklebt oder befestigt werden und stellen für das Pferd eine Verletzungsgefahr dar. Sollten während dieser Dauer Hufwände abbrechen, ist durch einen erfahrenen Hufpfleger/Huforthopäden/Huftechniker eine entsprechende Korrektur vorzunehmen.

Sollte ferner festgestellt werden, dass die Tragwände das Gewicht des Pferdes nicht tragen können, darf auf keinen Fall zugewartet werden. Das Pferd muss mit entsprechendem Hufschutz unterstützt werden. Die Palette dazu ist gross! Ein auf die Sohle abgelaufenes Pferd ist nur bedingt einsatzfähig und sehr schwer wieder auf die gewünschte Höhe zu bekommen. Es empfiehlt sich ferner, während der Umstellungphase – und auch danach – puren Essig zu verwenden. Essig besitzt die Eigenschaft, dass er die Hornwände festigt und Strahlfäule vorbeugt.

Zum Abschluss ein Wort in eigener Sache: Während der Umstellung gibt es immer wieder Auf und Ab. Auf jeden Fall kann jedoch ein Pferd von einer Stunde auf die andere neu beschlagen werden. Entscheiden Sie sich für eine Umstellung, sollten Sie fest davon überzeugt sein, die in der Regel 6-9 monatige Zeit der Umstellungsphase „durchzubeissen“. So lange benötigt im Normalfalle ein Pferd bis ein neuer Huf vom Kronrand bis zum Tragrand heruntergewachsen ist. Dies ist abhängig vom Stoffwechsel des Pferdes und bei jedem Tier individuell. Es bringt weder dem Besitzer des Pferdes – noch dem Pferd selbst – etwas, wenn immer wieder Versuche zum Barhufgehen unternommen, welche jedoch nach einigen Wochen wieder abgebrochen werden.

Wir werden immer wieder angefragt, ob sich alle Pferderassen zum Barhufgehen eignen. Dies müssen wir eindeutig verneinen. Nicht alle Pferderassen können problemlos umgestellt werden. Wir müssen hier beispielsweise die Englischen Vollblutpferde sowie schwere Kaltblutrassen in die Kategorie „schwierig“ einstufen. Ebenso liegt es auf der Hand, dass Kutschenpferde sowie Pferde oder Maultiere der Armee nicht ohne den entsprechenden Hufschutz – sprich Beschlag oder Hufschuhe – auskommen können. Hier ist die mechanische Einwirkung auf die Hufe zu gross!

Haben Sie weitere Fragen zur Umstellung – wir geben Ihnen gerne Auskunft!

Kontaktadresse:

Das Barhufteam
Station für hufkranke Pferde
Ruedi + Linda Bönzli
Engelberg
CH-3178 Bösingen
Tel. 0041 79 463 39 26
www.barhufteam.ch
E-mail: barhufteam@gmx.ch

Das Barhufteam betreibt seit 2002 eine Station für hufkranke Pferde in Bösingen/Schweiz. In Zusammenarbeit mit unseren 2 Tierärzten bieten wir hufkranken Pferden – insbesondere Hufrehepferden – die Möglichkeit, sich vollständig – und für Pferdebesitzer erschwinglichen Tarifen – von jeglichen Hufproblemen zu erholen. Unser persönlicher Beitrag zur Rehabilitation hufkranker Pferde: Tiere mit akuter- oder chronischer Hufrehe werden bei uns zum Selbstkostenpreis behandelt!

Quelle: OpenPR

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