Jean-Claude Dysli gestorben

Am Sonntag den 15. Dezember ist Jean-Claude Dysli überraschend an Herzversagen gestorben. Das ist wirklich ein großer Verlust für die Pferdeszene!
Der gebürtige Schweizer ging 1959 aus beruflichen Gründen in die USA und entdeckte dort das Westernreiten für sich. Als er 1965 in die Schweiz zurückkehrte, brachte er diese hier noch unbekannte Reitweise mit. Dysli mit seiner extrem entspannten und gleichzeitig sehr eleganten Art des Westernreitens begeisterte noch bis vor kurzem auf Vorführungen, beispielsweise bei der Equitana, und bei Kursen die Menschen. Der 78jährige lebte seit langem in Spanien. Seine ausführliche Lebensgeschichte könnt ihr hier lesen.
Vor kurzem erschien noch der Film Zwei Legenden – Eine Mission – Reitkunst in Vollendung mit Jean-Claude Dysli, in dem er gemeinsam mit dem portugiesischen Stierkampfreiter Manuel Jorge de Oliveira seine Philosophie vom Umgang mit dem Pferd vermittelt.

Pferd & Jagd 2013 – meine Eindrücke

© FAHeckmann GmbH

Erschöpft aber glücklich kam ich am Samstag-Abend von meinem zweitägigen Besuch bei der Pferdemesse in Hannover nachhause. Die Pferd & Jagd ist wie ich finde eine wirklich gelungene Veranstaltung: Das Angebot ist sehr vielfältig und dennoch ist sie noch überschaubar. Im folgenden Bericht möchte ich euch meine persönlichen Eindrücke und Highlights schildern.
Mir hatte es besonders der „Cavallo-Ring“ angetan: Die Redaktion hatte wirklich tolle Leute eingeladen. Mein ganz persönlicher Höhepunkt war die Vorführung von Wolgang Marlie und seinem Team von der Reiterpension Marlie aus Scharbeutz. Ich habe dort vor rund 13 Jahren ein Jahr lang ein Praktikum gemacht, das meinen Umgang mit den Pferden ganz wesentlich geprägt hat. Die halbstündige Demonstration von Silke Reger und Laura Nettelbeck, die von Wolfgang Marlie kommentiert wurde, brachte auf den Punkt, um was es auch mir beim Zusammensein mit dem Pferd geht: Entscheidend ist nicht, was man tut, sondern wie und mit welcher Einstellung zum Pferd man es tut: Bin ich freundlich und fürsorglich gestimmt, fühlt sich das Pferd viel wohler, als wenn mein Handeln von Ehrgeiz und der Absicht, mein Gegenüber zu dominieren geprägt ist – und die Wahrscheinlichkeit, dass es sich mir vertrauensvoll anschließt und motiviert mitmacht ist damit schon einmal wesentlich höher! Und: Das Hauptziel im Zusammensein mit dem Pferd sollte sein, gemeinsam Spaß zu haben. Ganz wichtig ist dem Ausbilder auch, weder Pferd noch Mensch zu überfordern und Neues so angstfrei wie möglich zu gestalten. Die beiden mitgebrachten Schulpferde wurden deshalb von mehreren Personen in die Bahn gebracht und dort erst eine Weile geführt, bis sie sich an die aufregende Umgebung gewöhnt hatten. Diese umsichtige Herangehensweise bewährte sich: Beide Pferde trabten später zufrieden und entspannt ihre Runden und arbeiteten ruhig und vertrauensvoll mit ihren Menschen zusammen. Dies war umso eindrucksvoller, als bei vielen anderen Vorführungen jede Menge völlig überforderte Pferde zu sehen waren, denen der Messetrubel sichtlich zuviel war und die oft nur mit Mühe von ihren Reitern unter Kontrolle zu halten waren. Hier bewunderte ich zwar einerseits den Mut und die Beharrlichkeit ihrer Reiterinnen, die ihre Vorführungen trotz scheuender, wegspringender und teilweise sogar bockender Pferde alle mit Anstand zu Ende brachten. Andererseits frage ich mich, ob so ein Auftritt es Wert ist, das vertrauen seines Pferdes aufs Spiel zu setzen…

Viel Zeit habe ich auch an der „Manège Baroque“ verbracht, einem Aktions-Ring, der in diesem Jahr neu ausschließlich für klassisch barockes Reiten und barocke Pferderassen reserviert war. Sehr gut gefiel mir hier beispielsweise die Vorführung von Maren Schulze und ihrem Team, die sehr harmonisches Reiten mit leichter Hilfengebung auf zufrieden wirkenden Pferden zeigte. Auch die Demonstration der Working Equitation mit Pedro Neves hat mir imponiert: Der Portugiese überzeugte mit einer Kombination aus lässig-stolzer Ausstrahlung, scheinbarer Leichtigkeit und überzeugendem Können.
Sehr gern einmal live erlebt hätte ich Kenzie Dyslie, die ihren Besuch bei der Messe wegen einer Erkrankung ihres Pferdes leider absagen musste.

Messe Pferd & Jagd Hannover

alle Fotos in diesem Beitrag: © FAHeckmann GmbH

In der restlichen Zeit habe ich die Verkaufsstände abgeklappert, hier möchte ich euch zwei für mich neue Entdeckungen vorstellen. Einmal die Gewandmeisterei von Franziska Toffolo-Haupt aus Köln: Die gelernte Schneidermeisterin und Reiterin näht zueinander passende Abschwitzdecken für Pferde und Ooutdoor-Jacken für Reiterinnen, die mir mit ihrem individuellen und originellen Design ausgesprochen gut gefallen haben. Die neueste Jacken-Kreation, die es mir besonders angetan hatte, ist im Moment zwar noch nicht auf der Webseite zu sehen, die Fotos sind aber bereits gemacht, so dass es nicht mehr lange dauern kann. Es lohnt sich also, später noch einmal reinzuschauen.
Ebenfalls überzeugt hat mich das Angebot von „Big Pearl“: Vera Christina Suhr lässt ihre Stiefel- und Jodhpur-Reithosen auf Bestellung nähen: So kann man sich seine Wunschreithose individuell zusammenstellen: Form, Farbe, Besatz, individuelle Maße, Taschen – alles lässt sich anpassen und verändern. Genäht werden die Hosen aus einem hochwertigen, in Deutschland hergestellten Microfaser-Gewebe mit 65% Baumwolle.
Sogar für einen Abstecher in die Jagd-Hallen hat es mir schließlich noch gereicht: Dort gibt es tolle und funktionale Outdoorbekleidung – nur leider ist alles olivegrün… Ein paar wasserdichte, leichte Trekkingschuhe fürs Ausreiten und Einlegesohlen aus Wollfilz habe ich dort erstanden.

© FAHeckmann GmbH

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Am Freitag-Abend habe ich mir dann noch die „Nacht der Pferde“ angesehen. Auch das hat sich für mich gelohnt! Besonders habe ich mich darüber gefreut, das „Theatre du Centaure“ erstmals live zu erleben. Einfach bezaubernd! Besonders beeindruckt hat mich der Horsemanship-Trainer Uwe Weinzierl mit seiner Verlade-Show: Vier Reiter, die auf einen fahrenden Pferdehänger hinauf- und hinunter reiten oder auch auf einen fahrenden Pickup mit Anhänger! Das Vertrauen, das diese Pferde ihren Reitern entgegenbringen ist wirklich umwerfend! Das konnte man von den Pferden der großen Quadrille der deutschen Landgestüte nicht durchgehend behaupten: Hier hatte besonders eine Reiterin sehr zu kämpfen, da ihr Hengst von der Situation völlig überfordert war. Sehr schade fand ich, dass die Pferd-Reiterpaare vom Moderator überhaupt nicht vorgestellt wurden -nicht nur mich hätte es sicher interessiert, wer von welchem Gestüt entsendet wurde.

Jean Francois Pignon auf der Messe Pferd &

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Mit der Höhepunkt war für mich der Auftritt von Jean-Francois Pignon: Wie dieser Mann mit unauffälligen Gesten 12 Pferde auf einmal dirigieren kann und diese dabei zufrieden und entspannt bis unternehmungslustig wirken ist wirklich phänomenal. Neben seiner Stammtruppe aus sechs Stuten und zwei Ponys hatte Pignon auch drei Jährlinge und ein Fohlen dabei. Hier konnte man gut beobachten, wie er die jungen Pferde spielerisch an seine Arbeit heranführt: Während die Jährlinge schon in Formation laufen konnten und mussten, durfte das Fohlen noch alles außer den Meister zu überholen. Ich stellte mir zwar während der Vorführung die Frage, ob ein so junges Pferd unbedingt schon bei einer Show mitmachen muss. Andererseits wirkte das Pferdekind die ganze Zeit über fröhlich und zufrieden, so dass ich den Eindruck bekam, es wächst auf diese Weise ganz spielerisch in seine spätere Aufgabe hinein, ohne Schaden zu nehmen.

War von euch auch jemand am Wochenende auf der Messe: Wie waren eure Eindrücke, was hat euch besonders gut gefallen? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Wolfgang Marlie – Pferde wie von Zauberhand bewegt

Ich freue mich riesig auf diesen Film der im kommenden Frühjahr erscheinen wird:

Vor 13 Jahren habe ich auf dem Hof von Wolfgang Marlie ein Jahr lang als Praktikantin mitgearbeitet und dort unglaublich viel gelernt. Meine grundsätzliche Einstellung zum Pferd um mein ganzer Umgang ist bis heute sehr stark von dieser Zeit geprägt. Ich freue mich auch riesig darauf, dass ich am Wochenende auf der Pferd&Jagd in Hannover Gelegenheit haben werde Wolfgang Marlie wieder zu sehen! Ich werde davon und von den vielen anderen Eindrücken von der Messe nächste Woche hier berichten!

Schulterbalance und Rippenbiegung

Rippenbiegung im dressurmäßigen Reiten

Hier kommt nun der in dem Artikel „Auf die krumme Tour: Schulterkontrolle und Rippenbiegung“ angekündigte zweite Teil, in dem es um die Rippenbiegung geht.

Der Zusammenhang mit der Rippenbiegung

Die Schulterbalance hängt eng zusammen mit der Rippenbiegung. Denn wenn ein Pferd ausbalanciert, also mit seinem Gewicht gleichmäßig auf beiden Schultern verteilt, eine gebogene Linie laufen soll, muss es sich zwangsläufig in seiner Längsachse biegen. Bliebe es im Rumpf gerade, müsste es sich wie ein Motorrad nach innen lehnen, um die Kurve zu schaffen. Diese Schräglage sieht man bei freilaufenden Pferden, sie lehnen sich in der Kurve nach innen und nehmen zum Balance-Ausgleich Hals und Kopf nach außen. Bis zu 13 Grad kann das Pferd sich schräg legen, dabei liegen die inneren Beine tiefer als die äußeren und müssen weit unter den Körper kreuzen. Die äußeren Beine schleudern nach außen weg. Ohne Reiter kommt das Pferd mit dieser Haltung noch ganz gut zurecht. Hat es allerdings das Reitergewicht auf dem Rücken, oder lässt man es beim Longieren ständig so laufen, ist sie auf Dauer höchst gesundheitsschädlich. Vor allem deshalb wollen wir beim Reiten genau das Gegenteil: Ein Pferd, das sich entsprechend der gebogenen Linie nach innen stellt und biegt und damit auch sein Gewicht gleichmäßig auf alle vier Beine verteilt. 

Wie ein freilaufendes Pferd lehnt sich dieses Pferd in der Kurve nach innen und stellt sich nach außen

Um die Kurve in Schräglage und Aussenstellung

Beinm Dressurreiten soll das Pferd in der Kurve nach innen gebogen - spurig gehen

Zum Vergleich: Dressurmäßig gebogen um die Kurve

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Kenzie Dysli und die Pferde – Buchbesprechung und Verlosung

BuchKenzie Dysli

Heute möchte ich euch eine ganz aktuelle Neuerscheinung vorstellen: Das Buch „Kenzie Dysli und die Pferde“ von der bekannten Pferdefotografin Gabriele Boiselle. Ein Exemplar hat mir der Müller-Rüschlikon-Verlag freundlicherweise zur Verlosung zur Verfügung gestellt; wie ihr daran teilnehmen könnt, erfahrt ihr am Ende des Artikels.

Aber nun erst einmal zum Buch: Kenzie Dyslie ist eine Art Shooting-Star der Pferdeszene, seit etwa zwei Jahren taucht sie vermehrt in den Pferdezeitschriften, bei Kursen und 2013 erstmals auf der Equitana auf und einen kräftigen Schub hat ihrer Popularität natürlich durch die Mitwirkung in dem Film „Ostwind“, der im März diesen Jahres in die Kinos kam, gegeben. Man könnte sich fragen: Muss es über eine Anfang 20jährige wirklich schon ein Buch geben? Auch Kenzie selbst hat sich diese Frage wohl gestellt, wie Gabrielle Boiselle im Vorwort zum Buch berichtet. Meine Antwort: Es muss nicht, aber wenn es von jemanden so viele traumhaft schöne Fotos und doch schon einiges Interessantes zu berichten gibt – warum nicht? Die Hauptqualität des Buches sind wirklich die Fotos: Wie von Gabriele Boiselle, der international bekannten, exzellenten Pferdefotografin nicht anders zu erwarten, sind die Bilder stimmungsvoll, von höchster Qualität und fangen wunderschöne Momente ein. Da das Buch auch vom Layout her sehr schön gestaltet und hochwertig gedruckt ist, macht es einfach Spaß, darin zu blättern und sich an den schönen Aufnahmen zu erfreuen. Die Fotografin ist mit der Familie Dyslie seit langem bekannt und hat die Hazienda Buena Suerte in Andalusien, auf der Kenzie aufgewachsen ist, in den vergangenen 20 Jahren immer wieder besucht. So ist es möglich, dass in dem Buch nicht nur aktuelle, sondern auch Fotos aus Kenzies Kindheit und Jugend enthalten sind. Weiterlesen

Reiten und Hermeneutik

Wann kann ich reiten?

Huch, was will die da am Montag-Morgen von uns – Hermeneutik? Ich hoffe das Fremdwort im Titel schreckt nicht vom Lesen ab, aber es schwirrt mir gerade im Kopf herum und beschreibt so genau das, worüber ich schreiben möchte. Mir selbst ist dieses Wort am Anfang meines Studiums begegnet – im „hermeneutischen Zirkel“. Damit ist gemeint, dass man sich einem neuen Thema immer nur allmählich und schrittweise oder auch spiralförmig annähern kann, dass es keinen direkten Weg zu sofortigem, umfassendem Verständnis eines Sachverhalts gibt. Und das kennen wir doch alle vom Reiten…
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Wenn ich von einem Thema noch nichts weiß, habe ich aber doch meistens ein erstes Bild, ein Vorurteil davon. Ein Beispiel: Ein Reitanfänger bekommt von seinen Freunden einen Gutschein für drei Einzelreitstunden geschenkt. Er freute sich und fragte: Reichen denn drei Reitstunden, um reiten zu lernen? Jemand antwortete: „Ja klar – eine für Schritt, eine für Trab eine für Galopp.“ (Dieser Dialog hat wirklich stattgefunden!) Jeder, der reitet, weiß wie absurd das ist. Jemand der überhaupt nichts davon versteht, hat aber möglicherweise ein solches erstes Bild: Das Pferd hat drei Gangarten und wenn ich die erst einmal beherrsche, dann kann ich reiten. Wenn dieser Reitanfänger nun seine erste Reitstunde antritt, beginnt für ihn der hermeneutische Zirkel: Er wird feststellen, dass es da oben auf dem Pferd viel mehr schaukelt und rüttelt, als er sich vorgestellt hat und dass er zunächst einmal lernen muss, mit der Bewegung mitzugehen und die Balance zu halten. Er wird erfahren, dass es ziemlich komplizierter ist, ein Pferd in Tempo und Richtung zu bestimmen, dass es nicht reicht, „Hü“ und „brrr“ zu sagen oder am linken beziehungsweise rechten Zügel zu ziehen… Er bekommt eine erste Ahnung davon, was reiten ist oder sein kann. Nehmen wir an, der Reitschüler hat nach ungefähr einem Jahr gelernt, zügelunabhängig zu sitzen, er kann in allen drei Gangarten die Balance halten und seinem Pferd vermitteln, in welchem Tempo es wo hingehen soll. Wahrscheinlich denkt er jetzt: „Ich kann reiten.“ Weiterlesen

Auf die krumme Tour: Schulterkontrolle und Rippenbiegung

Äußerer Zügel

Links am Zügel ziehen – Pferd geht nach links, rechts am Zügel ziehen – Pferd geht nach rechts, so stellt sich der Laie in der Regel die Lenkung beim Pferd vor. Leider ist das in der Praxis nicht ganz so simpel: Welcher Reiter hat nicht schon mal verzweifelt am inneren Zügel gezogen, während sein Pferd davon scheinbar völlig unbeeindruckt nach außen wegdriftete – zwar mit nach innen verbogenem Kopf und Hals, was es aber in keinster Weise daran hinderte, in die entgegengesetzte Richtung zu laufen. „Über die Schulter ausbrechen“ nennt sich dieses Phänomen in der Reitersprache und dieser Begriff weist darauf hin, dass das Lenken beim Reiten ziemlich viel mit der Kontrolle eben dieser Schulter zu tun hat.

Das Paradoxe: Ein Pferd, das über die äußere Schulter ausbricht, driftet durch Zug am inneren Zügel nur noch stärker nach außen. Das Verbiegen des Halses nach innen zwingt es geradezu dazu, sein Gewicht nach außen zu verlagern. Im Trab oder Galopp kann das im Extremfall sogar zu einem Sturz führen. Deshalb gilt in dieser Situation – so schwer das auch fällt – innen loslassen! Ich weiß aus eigener Erfahrung wie schwer das fällt: Ein erstes Schlüsselerlebnis hatte ich mit einem Schulpferd, dass ohne Anlehnung am äußeren Zügel einfach überhaupt nicht auf die Zirkellinie abzuwenden, geschweige denn dort zu halten war. Danach war ich eigentlich der Meinung, ich würde nicht mehr am inneren Zügel ziehen – wurde aber durch mehrere Reitlehrer in verschiedenen Situationen doch immer wieder diesbezüglich korrigiert. Selbst wenn man es in vielen Lehrbüchern gelesen, verstandesmäßig begriffen und von vielen Reitlehrern gesagt bekommen hat: Die Versuchung, (meist unbewusst) doch innen zu ziehen ist einfach unglaublich groß. Weiterlesen

Die erste Pferdeklappe Deutschlands

Die Pferdeklappe

Petra Teegen aus Norderbrarup in Schleswig-Holstein hatte die Idee: Immer wieder erlebte sie verwahrloste und vernachlässigte Pferde, deren Besitzer sich nicht mehr um die Tiere kümmern konnten oder wollten und aus Scham oder falschem Stolz keine Hilfe suchten oder annehmen wollten. Für solche Menschen und ihre Pferde hat sie jetzt mit dem Verein „Notbox e.V.“ die Möglichkeit geschaffen, die Pferde anonym auf einer abgelegenen, aber gut ausgeschilderten Koppel abzugeben. Damit die Neulinge nicht allein sind, leben dort ständig zwei verträgliche Ponys. Die abgegebenen Tiere werden anfangs separat gehalten, so lange, bis der  Tierarzt sie frei von ansteckenden Krankheiten und Ungeziefer bestätigt. Dann bleiben die Pferde mindestens vier bis sechs Wochen im Stall des Vereins. Solange hat der Besitzer Zeit, eine Lösung finden und seinen Vierbeiner wieder nach Hause zu holen. Danach werden Menschen für die Pferde gesucht, die ihnen gegen die entstandenen Kosten ein neues Zuhause geben. Das Projekt wird durch Spenden finanziert – das Team der „Notbox“ freut sich über Unterstützung jeglicher Art.

Weitere Informationen sind auf der Internetseite von Petra Teegen zu finden. Auf ihrer Facebookseite wird regelmäßig über Neuankömmlinge berichtet und dort erfährt man auch von den Pferden, die abzugeben sind.

Einen sehenswerten, knapp vierminütigen Fernsehbericht über das Projekt gibt es hier zu sehen.

Rezension: Praxiskurs Bodenarbeit

Buch: Praxiskurs Bodenarbeit

Babette Teschen und Tanja Konnerth: Praxiskurs Bodenarbeit

Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, das mir besonders am Herzen liegt: Den „Praxiskurs Bodenarbeit“ von Babette Teschen und Tania Konnerth. Von den beiden Autorinnen habe ich zum ersten mal vor rund vier Jahren gehört, als ich auf der Suche nach Ausbildungstipps für meine junge Stute im Internet herumgoogelte. Dabei stieß ich auf ihre Seite „Wege zum Pferd„, die mich mit ihren vielen schönen Artikeln unheimlich ansprach. Schon damals war hier viel geboten, inzwischen ist die Seite noch enorm gewachsen und eine wahre Fundgrube an Tipps, Anregungen und Weisheiten geworden. Über die Seite wurde ich dann auch auf den „Longenkurs“ der beiden Autorinnen aufmerksam, nach dem ich eine ganze Weile arbeitete. Darüber habe ich einen eigenen Artikel geschrieben, den ich hier demnächst veröffentlichen werde. Ich hatte dann auch die Gelegenheit, bei einem der Kurse mit Babette zuzuschauen und fand meinen Eindruck absolut bestätigt: Ihre gelassene, freundliche und doch bestimmte Art mit Pferden umzugehen, sprach mich unheimlich an.

In diesem Jahr haben die beiden nun ihr erstes Werk in Buchform herausgebracht, das ich gespannt erwartet habe. Und ich wurde nicht enttäuscht – das Buch vermittelt 100prozentig den „Geist“ den man von „Wege zum Pferd“ kennt: Es gibt Anregungen, die bei der Beziehungsarbeit mit den Pferden helfen, bei denen es nicht darum geht, wie man sich am besten bei einem Pferd durchsetzen kann, sondern die auf ein Miteinander zielen und die zu motivierten und fröhlichen Pferden führen.

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Der Lipizzaner – das vergessene Barockpferd

Lipizzaner Stuten in Lipica

Nachdem ich im ersten Rasseporträt hier auf meinem Blog das Schwarzwälder Kaltblut vorgestellt habe, ist als zweites natürlich der Lipizzaner dran, da ich selbst ja eine Lipizzaner Stute habe. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und hoffe, den einen oder die andere, die sich ein Barockpferd zulegen will, vielleicht auf den Geschmack zu bringen… (Foto: Lipica Stud Farm archive)

Lipizzaner als Rarität – warum eigentlich?

Barockpferde sind in – seit dem Boom der Barockreiterei und der entsprechenden Pferderassen haben zahlreiche Andalusier, Friesen und allmählich auch einige Lusitanos Einzug in deutsche Ställe gehalten. Kaum profitiert vom diesem Trend hat dagegen der Lipizzaner: Warum eigentlich? Seine Qualitäten beweist er seit mehreren hundert Jahren in der Wiener Hofreitschule und seine Stammgestüte liegen „vor unserer Haustür“, nämlich in Österreich, Italien, Slowenien, Ungarn und der Slowakei.

An der mangelnden Bekanntheit der Rasse kann es nicht liegen: Durch die Spanische Hofreitschule in Wien ist der Lipizzaner nicht nur Pferdemenschen ein Begriff. Vielen gilt die dort praktizierte Reitweise als Inbegriff der klassischen Dressur und somit auch die dort ausschließlich verwendeten Lipizzanerhengste als Idealbild eines Künstlers der Hohen Schule. Dennoch sieht man auch unter Anhängern der Barockreiterei nur sehr selten einen der imposanten Schimmel. In Pferdeshows und Barockschaubildern sind Lipizzaner die Ausnahme, während es von Spaniern und Friesen auf entsprechenden Veranstaltungen geradezu wimmelt.

Eine Ausnahme macht das Reitinstitut Egon von Neindorff-Stiftung in Karlsruhe, wo sich unter den Schulpferden schon immer auch Lipizzaner fanden. Schließlich zählten zu Neindorffs Lehrern Alois Podhajsky und Ludwig Zeiner, beide Reitmeister an der Hofreitschule in Wien. Ein weiterer der wenigen bekannten Ausbilder, der mit Lipizzanern arbeitet, ist Johannes Beck-Broichsitter vom Johannenhof in Heist bei Hamburg. Auch hier gibt es die Verbindung nach Wien: Wie bereits sein Vater Helmut wurde auch Beck-Broichsitter Junior stark geprägt von Johann Riegler, einem langjährigen Oberbereiter der „Spanischen“.

Johannes Beck-Broichsitter mit Lippizzaner am langen Zügel

Johannes Beck-Broichsitter
mit einem Lippizzaner am langen Zügel. Foto: Wendlandt

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Pferdepuzzle zu gewinnen!

Pferdepuzzle im Galopp durchs Wasser

Die Firma puzzle.de hat mir freundlicherweise drei sehr schöne und hochwertige Pferdepuzzle zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Die Motive konnte ich mir selbst aussuchen – ich hoffe, ich habe euren Geschmack getroffen!
Mitmachen ist ganz einfach: Schreibt in das Kommentarfeld, welches Puzzle ihr haben möchtet und – falls ihr das nicht längst schon getan habt – werdet Fan (in der rechten Sidebar die Facebook-Likebox anklicken). Wer bereits Fan ist (bitte Facebooknamen ins Kommentarfeld schreiben), nimmt natürlich auch an der Verlosung teil!
Teilnahmeschluss ist der 30. September 2013 – 21.00 Uhr; anschließend werde ich die Gewinner per E-Mail benachrichtigen und hier bekannt geben. Viel Glück! Weiterlesen

Neuer Borreliose-Test für Pferde

Die Firma Boulder Diagnostics hat einen neuen Borreliose-Test entwickelt und auch für Tiere auf den Markt gebracht. Er misst die Immun-Reaktion des Körpers auf die Borrelien und kann sofort nach einem Zeckenbiss angewendet werden. Hier der Pressetext:

Die Symptome von Borreliose ähneln bei Pferd und Hund denen beim Menschen. Auch sie werden von verschieden Borrelienarten befallen, die Muskelverspannungen, Gelenkprobleme und damit wechselnde Lahmheiten aber auch diverse Organerkrankungen sowie erhöhte Allergiebereitschaft auslösen können. Auch neurologische Symptome – etwa Headshaking beim Pferd – und eine erhöhte Infektanfälligkeit sind möglich. Laut Robert-Koch-Institut können in Deutschland bis zu 35 Prozent der Zecken Borrelien übertragen, je nach Region sind es sogar bis zu 80 Prozent. Besonders hoch ist die Übertragungsrate bei den Nymphen, die aufgrund ihrer geringen Größe vor allem bei Tieren leicht übersehen werden. Weiterlesen

Interview mit der Pferdefotografin Johanna Passon

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Die Sommerpause ist vorbei! Ab heute gibt es wieder regelmäßig neue Artikel und Interessantes rund ums Pferd.

Los geht es heute mit der Vorstellung einer jungen Pferdefotografin. Johanna Passon hat vor einigen Wochen Kontakt mit mir aufgenommen und nachdem ich ihre traumhaft schönen Fotos gesehen hatte, wollte ich sie und ihre Werke sehr gerne hier auf meinem Blog vorstellen. Aber lest (und schaut!) selbst:

Interview mit der Pferdefotografin Johanna Passon

Interview mit der Pferdefotografin Johanna Passon

Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Mein Vater hat das grundlegene Interesse geweckt, als er sich die erste Bridge- und später Spiegelreflexkamera kaufte. Damit habe ich viel herumgeknipst, wollte eine eigene Kamera haben – und diese hatte dann sage und schreibe 3 Megapixel. 😀
Als es dann in der Schule um ein dreiwöchiges Berufspraktikum ging, schwankte ich zwischen Radio und Fotografie. Am Ende wurde es ein Praktikum beim Fotografen, wo ich enorm viel Grundwissen erlernt habe und auch bei einem Modeshooting zuschauen durfte. Diese drei Wochen haben das ernsthaftere Interesse geweckt… Mein Ehrgeiz und das Bewusstsein, dass man für diesen Job sich mehr reinhängen muss, als für andere Berufe – da habe ich dank einem Südafrikaurlaub 2009 ein großes Aha-Erlebnis gehabt. Hier bemerkte ich nämlich, wie unglaublich mich die Tierfotografie begeistert, aber vor allem wie wahnsinnig schnell man die Technik im Griff haben muss, um Unvorhergesehenes als Fotografie und nicht als Schnappschuss präsentieren zu können.
Nach diesem Urlaub habe ich mich vermehrt mit der Tierfotografie beschäftigt und als es dann Richtung Ausbildung / Studium ging, kam 2011 die Fotografie von Menschen hinzu. Zu Anfang war ich noch skeptisch, ob ich da auch so große Freude dran haben werde, wie an der Arbeit mit Tieren – doch schon nach dem ersten Shooting war klar, dass es zwar ganz anders, aber genauso reizvoll ist!
Bei meinen insgesamt vier Praktika bei Fotografen habe ich ein ums andere Mal feststellen dürfen, dass dieser Job genau das ist, was ich machen will! Weiterlesen

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