Dressurausbilder Dr. Thomas Ritter mit meiner Lipizzanerstute

Reitlehre mit Dr. Thomas Ritter – Archiv

„Wie der Blinde den zu prüfenden Gegenstand ganz sanft und leise mit den Fingerspitzen berührt, um nicht durch zu starken Druck die Tätigkeit der feinen Nerven zu beeinträchtigen, so ist es auch für den Reiter erste Bedingung, diejenigen Teile seines Körpers, durch die er sein Pferd zunächst fühlt, weich und natürlich zu belassen. Erfüllt sein Sitz diese Bedingung, so wird er bald die Bewegung der Pferdebeine fühlen, einzeln unterscheiden lernen und dadurch die Mittel gewinnen, so unbedingt über sie zu gebieten, als wären es seine eigenen.“
(Gustav Steinbrecht, 1885)

„Die Haltung des Pferdes im gesammelten Galopp ist eine Geschicklichkeit, sowohl in zweckmäßiger Erhaltung der Form der Vorhand, als in dem wohlabgemessenen Nachtreten mit den Hinterfüßen; gemeinschaftlich aus beiden geht die Balance hervor. Diese Geschicklichkeit erlangt es nur nach und nach. Mit dieser Geschicklichkeit steigt das Selbstvertrauen und die Ruhe des Pferdes, da es die eigene Ueberzeugung hat, sich halten zu können. Hat der Galopp bis dahin dem Pferde oft sehr vielen Schweiß gekostet, so wird es von nun ab ohne Anstrengung dauernd galoppieren.“
(Ernst Friedrich Seidler, 1837)

„Man darf die Hilfen nun nicht nur als eindirektionale Befehle ansehen. In Wirklichkeit sind sie Sonden, mit denen man den gesamten Pferdekörper fühlen kann. Dazu sollte sich der Reiter folgende Fragen stellen: Welche Einstellung hat das Pferd zur Hilfe? Wie weit durchdringt die Hilfe den Körper des Pferdes? Bleibt sie gleich unter der Haut stecken, oder geht sie durch den gesamten Körper hindurch, bis sie ihr Endziel erreicht? Die Antwort des Pferdes auf diese Fragen bestimmt, wie man weiter verfährt.“
(Thomas Ritter, Klassisches Reiten auf Grundlage der Biomechanik, Cadmos 2010)

„Nie den Trieb nach vorwärts zu fördern auf Kosten der Haltung, nie die Haltung zu fördern auf Kosten der Gehlust. Ach, wie leicht ist das gesagt und wie schwer ist es oft, diese Grenze richtig zu ziehen!“
(Otto v. Monteton, 1898)

„Wenn das gerittene Pferd vor dem ungerittenen außer vielen anderen Vorzügen besonders auch den voraus hat, daß es sich auf einem kleinen Raume mit Leichtigkeit und Regelmäßigkeit in seinen von der Natur bestimmten Gangarten bewegen kann, so hat es dies der Biegsamkeit seines ganzen Körpers zu verdanken, die ihm durch die Dressur verliehen worden ist.“
(Gustav Steinbrecht, 1884)

„Als erste Hauptgrundsätze der Kunst rufe ich einem jeden Reiter zu: “Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade!”
Unter diesem Vorwärtsreiten verstehe ich nicht ein Vorwärtstreiben des Pferdes in möglichst eiligen und gestreckten Gangarten, sondern vielmehr die Sorge des Reiters, bei allen Übungen die Schubkraft der Hinterbein in Tätigkeit zu erhalten, dergestalt, daß nicht nur bei den Lektionen auf der Stelle, sondern sogar bei Rückwärtsbewegungen das Vorwärts, nämlich das Bestreben, die Last vorwärts zu bewegen, in Wirksamkeit bleibt. Man befähige daher das Pferd durch Übung, seine Schubkraft durch Belastung bis zum Äußersten zu beschränken man unterdrücke sie aber niemals durch Überlastung!“
(Gustav Steinbrecht, 1884)

„Diese Ziele können in drei Worten ausgedrückt werden: Ruhig, vorwärts, gerade, und anstatt von gerade, möchte ich sagen: Richtung. Die Reihenfolge, in der diese drei Ziele verfolgt werden, ist unveränderlich und absolut, und man muss das nachfolgende erst dann angehen, wenn man das vorhergehende erreicht hat. Damit das Pferd unsere Handlungen wahrnehmen und richtig reagieren kann, muss es vor allem ruhig und vertraut sein. Jeder weiß sicherlich aus eigener Erfahrung, dass jegliche Arbeit, die mit einem gereizten, ungeduldigen und ängstlichen Pferd, das von seiner Umgebung abgelenkt ist, oder vor seinem Reiter Angst hat, nur unangenehm sein kann.“
(Alexis François L’Hotte, 1895)

„Keine Übung ist so wichtig, dass man sie nicht unterbrechen könnte, um dem Pferd etwas zu erklären. Wenn etwas schief geht, kann man das Pferd anhalten und ihm die fehlende Fähigkeit durch eine andere Übung erklären. Eine gute Strategie besteht darin, eine grobmotorische Übung in Zeitlupe zu reiten (z.B. eine Vorhandwendung in der Bewegung oder eine Hinterhandwendung), um dem Pferd zu erklären, wie es seine Hüften oder Schultern bewegen kann. Kann es diese elementare Übung langsam ausführen, dann kann es auch eine verwandte, feinmotorische Übung in höherer Geschwindigkeit ausführen.“
(Thomas Ritter)

„In der Wendung lernt das Pferd erst den inneren Hilfen einseitig nachgeben und dadurch von selbst an die äußeren herankommen; der äußere Zügel begrenzt dann die Wendung, richtet die Vorhand auf die Nachhand aus und wirkt dadurch aufrichtend auf die Stellung des Kopfes und Halses, biegend auf die Gelenke der Hinterhand.“
(Gustav v.Dreyhausen, 1951)

Aufgabe der Dressur ist es, die Körperteile des Pferdes auf solche Weise mit einander zu verbinden, daß der Reiter mit seinen Hilfen jeden Muskel im Pferdekörper ungehindert erreichen kann und daß die Energieimpulse frei durch den Reiterkörper, den Pferdekörper und den Boden hindurchfließen können, ohne daß ein einziger Muskel oder ein einziges Gelenk dabei außer Reichweite ist.
(Thomas Ritter)

„Hört nicht auf die Experten, die nicht reiten; die Leute, die alles wissen, aber nichts können, die alles gelesen, aber nichts verstanden haben, die zu allem eine Meinung haben, ohne die Sache beurteilen zu können. Man findet sie vor allem auf dem Internet, weil die Gefahr, die Richtigkeit ihrer Meinungen im Sattel demonstrieren zu müssen, äußerst gering ist.“
(Thomas Ritter)

„Ich kann aus hinreichend gemachter Erfahrung die vollkommene Versicherung ablegen, daß in den meisten Fällen die Veranlassung zu den Oppositionen in mangelhafter Körperform des Pferdes und in ungeeigneter Wirkung des Reiters zu suchen ist. Schiebe man die Ursache daher nicht aufs Auge oder auf eine natürliche Neigung zur Stetigkeit, und suche nicht durch Strafen das Pferd zum Gehorsam zu führen, sondern durch eine geregelte Bearbeitung. In dem Verhältniß als es sich in seinen Biegungen vervollkommnet, steigt der Gehorsam und fällt die Opposition; mit vollendetem richtigen Durchbiegen steht auch der unbedingte Gehorsam fest.“
(Ernst Friedrich Seidler, 1846)

„Reiter, die … nicht die Rippenbiegung zum Kernpunkt der Lektion machen, sondern durch starkes Hineinstellen von Hals und Kopf die Schulterhereinstellung zu gewinnen suchen, werden ihre Pferde nur auf die Schultern und hinter die Zügel bringen, denn sie machen die nötige Versammlung unmöglich und den Hals durch falsche Biegung unstet.“
(Gustav Steinbrecht, 1884)

„In Losgelassenheit sind die Bewegungen der Gliedmassen fortlaufend, pendelnd, elastisch und rund, wenn auch energisch, nicht aber zuckend, abgehackt und strampelnd. Diese Eigenschaften erhalten sich auch in der stärksten Versammlung. Am Takt des Trabes zu erkennen, ob die Bewegung losgelassen ist, ist oft recht schwierig. Zuweilen haben die gespannten Tritte etwas Schwebendes, Verhaltenes an sich, das leicht mit Versammlung verwechselt wird.“
(Lt. Knebusch, 1911)

„Doch Leichtigkeit, deren Wesen in der elastischen und federnden Beweglichkeit aller Gelenke und Muskeln liegt, kann nur erworben werden, nachdem alle Widerstände vollständig beseitigt sind, d.h. mit dem Verschwinden aller ungünstigen Verspannungen.“
(Alexis François L’Hotte, 1895)

„Die Entspannung im Maul alleine genügt nicht, sie kann täuschen, weil sie nicht notwendigerweise auch zur Leichtigkeit führt. Sie muss von einer Entspannung des ganzen Pferdes begleitet sein. Wenn es seinen Rücken hergibt, wird das mit Sicherheit eine Rückwirkung auf das Maul haben.
(Nuno Oliveira, 1998)

Über das „Dogma der unbedingten Beizäumung“:
„Aber es ist so bequem und bedarf gar keines Nachdenkens, denn für Lehrer wie für den Schüler und nun erst für den Besichtigenden ist es so leicht, und jedes Kind kann sich von der entdeckten Weisheit sofort überzeugen, wenn gesagt wird: die Nase steht noch nicht senkrecht. Dieses Dogma hat unendlichen Schaden gethan, indem man die Pferde in diese Stellung hineinzwingt, statt in Ruhe abzuwarten, bis sie von selber hineingehen. Erst mit dem Studium der Individualität beginnt die Wissenschaft und die Kunst in der Reiterei.“
(Otto v. Monteton, 1899)

„Ich möchte hier noch einflechten, daß man sich nicht einbilden soll, eine leichte, weiche Hand zu haben, wenn man mit losen, fast hängenden Zügeln reitet und sein Pferd haltungslos laufen läßt. Das kann man auch mit gefühlloser Hand haben. Eine weiche Hand verlangt das Gefühl des Reiters dafür, daß er merkt, ob das Pferd weich am Gebiß steht, kaut, und auf leichten Anzug reagiert, also ein tätiges Maul hat. Wenn er mit losen Zügeln reitet, kann das Pferd gleichwohl ein totes Maul haben, und wird das erst beim Anzug der Zügel zum Halten oder Verkürzen einer Gangart zeigen, indem es sich entweder die Nase vor die Brust ziehen läßt oder sie nach vorn herauswirft, in beiden Fällen das Maul aufreißt.“
(Oskar M. Stensbeck, 1936)

„In der Tat, bei den meisten Pferden ist es so, dass nur ein Teil des Organismus, nur ein Teil der „Maschine“ arbeitet, nämlich die Gliedmaßen – der Hals, der Rücken, die Lenden, die Kruppe bleiben sozusagen aus dem Spiel, weil sie verkrampft sind und steif gehalten werden. Ist es unter solchen Umständen überraschend, wenn sich das Pferd dann in den Beinen früh strapaziert?“
(J.-C.Dubois Boisgilbert, 1908)

„Die Vorderbeine müssen im Trabe aus dem Knie gehoben und dort niedergesetzt werden, wohin das Schienbein zeigt. Wirft ein Pferd sein Schienbein in eine höhere Richtung, als es nachtritt, so ist es ein Strampeln in Spannung. Tritt ein Pferd mit zu wenig gekrümmtem Knie heraus, so ist dies ein Zeichen, dass sich die Spannung der Unterhalsmuskeln auf die Vorderbeine überträgt. Häufig wird hierbei das Vorderbein wenig gehoben und schnell niedergesetzt. Man glaubt leicht, dass es von einer schlechten Schulter kommt.
(Lt. Knebusch, 1911)

„In Losgelassenheit sind die Bewegungen der Gliedmassen fortlaufend, pendelnd, elastisch und rund, wenn auch energisch, nicht aber zuckend, abgehackt und strampelnd. Diese Eigenschaften erhalten sich auch in der stärksten Versammlung.
Am Takt des Trabes zu erkennen, ob die Bewegung losgelassen ist, ist oft recht schwierig. Zuweilen haben die gespannten Tritte etwas Schwebendes, Verhaltenes an sich, das leicht mit Versammlung verwechselt wird.“
(Lt. Knebusch, 1911)

„Es giebt überhaupt nur einen einzigen durchschlagenden Grundsatz über die Zäumung des Pferdes: ‚Ein gerittenes Pferd geht auf jeden alten Bindfaden statt des Mundstücks, oder auch auf jeden Kinnladenbrecher, wenn es von einem ‚Reiter‘ geritten wird, und die Kehrseite diese Medaille ist: daß kein Zaum der Welt im Stande ist, die Reiterei zu ersetzen, oder ihr nur sehr wesentlich fördernd, aber dagegen sehr leicht hinderlich zu sein vermag. Die gewöhnliche Wasser- oder auch Doppel-Trense ist das einzige brauchbare Arbeitshandwerkzeug, und nach meiner Erfahrung giebt es keinen so geschickten Künstler, der auf Kantare ein Pferd von Anfang an durch zu arbeiten vermag. Ich habe bis jetzt selbst noch immer das Lückenhafte gefühlt, wenn ich gut gerittene Pferde geritten habe, die lediglich nur zu früh auf Kantare gesetzt waren.“
(Otto v.Monteton, 1877)

„Die Spannung verhindert auch die reelle Versammlung, weil die gespannten Muskeln durch die treibenden Hilfen sich nur vermehrt gegeneinander spannen und so den Schwung und das leicht Biegen der Gelenke ersticken. Hierdurch entsteht entweder eine zuckende Bewegung der Hinterhand, wobei sich die Gelenke übermässig biegen oder aber die Gelenke bleiben fast ganz gestreckt.“
(Lt. Knebusch, 1911)

„Bei jedem Steifmachen eines Gelenkes muss es immer wieder aufgefordert werden, es vertrauensvoll loszulassen, und Jeder der dies ausführt wird die Nothwendigkeit einsehen, seine eigenen Gliedmaßen ganz ebenso schlaff zu halten und keine einzige Muskel anzuspannen; denn sowie er eine anspannt, so spannt das Pferd misstrauisch alle seine Muskeln gleichmäßig mit an. Dies ist die Seele des schon ausgesprochenen Gedankens: ‚Lege dem Pferde stets dasselbe Gewicht in demselben Moment in’s Maul, welches es Dir in die Hand legt. Man wird nun klar sehen, wie schlimm die Sache ist, wenn man den Satz umdreht, da das Pferd sich auf der Stelle steif macht, wenn man selber steif wird und wie aufmerksam man sein muss, sein Gefühl im ganzen Körper zu verfeinern, auf dass man jede Steifigkeit sofort zu fühlen im Stande ist und das Gewicht des Druckes dem Pferde anpasst.“
(Otto v.Monteton, 1877)

„Die Spannung verursacht einen Mehrverbrauch an Kraft, der völlig nutzlos ist, da die Kraft der einen Muskel die der entgegengesetzten hemmt. Die Spannung bringt das Pferd unnütz in Schweiss und ermüdet es vorzeitig.“
(Lt. Knebusch, 1911)

„Es ist viel einfacher, Gewalt einzusetzen als das Gehirn. Wenn man nach sorgfältiger Beobachtung nahezu sicher ist, dass man logisch gehandelt hat, dass die Anforderungen logisch, intelligent und verständlich waren und dass man nicht aus Versehen die einfachen Gesetze der Mechanik verletzt hat, indem man einen Körperteil belastet hat, den man hätte entlasten sollen oder keinen ähnlichen Fehler begangen hat, ist es viel besser bei anhaltendem Ungehorsam des Pferdes zu versuchen, sein Vertrauen zurück zu gewinnen, anstatt es zu bestrafen und es wieder zur Losgelassenheit zu bringen und dann noch einmal zu versuchen ihm den Gehorsam abzuverlangen. Ich insistiere, dass ein Pferd gewohnheitsmäßig logisch auf Anforderungen reagiert, die an es gestellt werden. Anstatt zu versuchen, es dazu zu zwingen, unseren womöglich – beziehungsweise wahrscheinlich – unlogischen oder unverständlichen Anforderungen zu gehorchen, sollten wir uns besser selbst genauer untersuchen. Die Korrektheit der Reaktion ist fast immer proportional zur Präzision der Anforderung.“
(Etienne Beudant, 1950)

„Alle Widerstände sind nichts anderes als falsche permanente Muskelanspannungen, die die Bewegung behindern. Diese Widerstände können nun nur dadurch beseitigt werden, dass diejenigen Muskeln geschmeidig gemacht werden, die der Bewegung entgegenstehen.“
(Jean Licart, 1972)

„Todte Mäuler, wie man im Allgemeinen von den Pferden zu sagen gewohnt ist, die schwer in der Hand sind, giebt es gar nicht; aber Pferde, die nicht auf das Hintertheil geritten, die nicht ins Gleichgewicht gesetzt sind, deren Schwere mit der Last des Reiters vereinigt auf den Schultern liegt, und die aus dieser Rücksicht keine Haltung, keine Anlehnung, keine Fühlbarkeit für das Mundstück haben, giebt es genug.“
(Christian Ehrenfried Seifert von Tennecker, 1805)

„Wenn wir losgelassen tief im Sattel sitzen und mit voller Aufmerksamkeit Mittelpunkt sind, dann stellt sich das Gefühl für die Kräfte ein, die sich unter uns entwickeln, für die Kraft selbst und für die Richtung, in der sie sich auswirkt. Wir können dieses Konzentrationsspiel sehr weit treiben und die Bewegung unter uns deutlich in Kraftlinien fühlen. Wir merken, daß die Antriebskraft von uns nur beherrscht und gesteuert werden kann, wenn ihre Richtung – die Kraftlinie – durch uns hindurchgeht und wir wirklich genau im Mittelpunkt sind. Wenn das Pferd aber schief ist, geht die Kraftlinie an uns vorbei, wir können sie dann nicht mehr steuern.“
(Udo Bürger, 1959)

„Richtiges Arbeiten mit dem Pferd ist immer Grundlagenarbeit. Nur aus der Verbesserung der Grundlagen ergibt sich ein ehrlicher Fortschritt. Zu diesen Grundlagen zählen im Wesentlichen das Vorwärtsgehen, das Anhalten, das Wenden, das Biegen, das Übertreten und das Rückwärtstreten. Beim Reiter bestehen die Grundlagen aus der Verbesserung des unabhängigen, geschmeidigen Gleichgewichtsitzes, der Ausdifferenzierung der Hilfengebung, sowie der Verfeinerung des Gefühls und der Vertiefung des Verständnisses der Zusammenhänge und Kausalitäten. An diesen Dingen muss jeden Tag gearbeitet werden.“
(Thomas Ritter)

„Jedenfalls ist es Aufgabe des Reiters, unter Berücksichtigung der auftretenden Spannungen und deren Ursachen, sein Pferd in jeder Arbeitsstunde zur völligen Losgelassenheit zu bringen, bevor er die eigentliche Arbeit beginnt. Keinesfalls darf man glauben, daß sich das Loslassen durch längeres, einfaches (um nicht zu sagen: gedankenloses) Herumtraben und Abgaloppieren von selbst einstellt – im Gegenteil! Manche Pferde können auch, besonders wenn sie gejagt werden, immer steifer und festgehaltener gehen, wie Eier durch längeres Kochen auch nicht weicher werden. Es geht vielmehr darum, einzelne Unebenheiten im Bewegungsablauf zu erkennen und dann gezielt zu glätten und abzuschleifen.“
(Alfred Knopfhart, 1977)

„Eine sehr unangenehme Zugabe der Spannung ist, dass sie die Schiefe des Pferdes sehr erheblich verstärkt, und verhindert, sie zu beseitigen. Ich behaupte, dass ein gespanntes Pferd nie gerade sein wird. Gewiss ist die Schiefe dem Pferde angeboren: beide Seiten sind nicht gleich geschickt. Aber bei einem losgelassenen Pferde lässt sich diese Schiefe durch sorgfältige Übung beider Seiten bis auf ein Minimum beseitigen. Gespannte Pferde dagegen bleiben immer schief und steigern den Widerstand durch die Schiefe oft in der unangenehmsten Weise.“
(Lt. Knebusch, 1911)

„Dehnungshaltung bedeutet für mich, dass das Pferd den Widerrist anhebt und das Genick fallen läßt, was nur möglich ist, wenn beide Hinterbeine sich unter der Last biegen und das Becken nach vorne abkippt. Dadurch wird die Oberlinie vom Genick bis zum Schweif gedehnt und aufgewölbt. Dadurch bekommt der Reiter das Gefühl, dass die Ohren des Pferdes von ihm wegstreben, dass der Widerrist ihm entgegenkommt, dass er vom Rücken hochgehoben wird und dass die Kruppe sich rückwärts-abwärts senkt. Dieses Ziel soll in allen Gangarten, sowohl in der höchsten Versammlung als auch beim Vorwärts-abwärts Reiten, erreicht werden.
Die Dehnungshaltung darf nicht dahingehend falsch verstanden werden, dass man das Pferd auseinandergefallen und ohne Rücken auf der Vorhand gehen läßt.“
(Thomas Ritter)

„Es versteht sich fast von selbst, daß eine reiterlich einwandfreie Dressurvorführung nur in völliger Losgelassenheit von Reiter und Pferd denkbar ist. Auch der Reiter muß, will er kein Unbehagen beim Pferd hervorrufen, entspannt sein, und nur aus einem losgelassenen, geschmeidigen Sitz kommen richtige Hilfen.

Die Losgelassenheit bildet die unbedingte Voraussetzung für die spätere Durchlässigkeit und Versammlung (nur was locker ist, läßt sich leicht zusammenschieben).“
(Alfred Knopfhart, 1977)

„Bemerkt man im Laufe der Zeit keine Fortschritte, oder treten beständige Widersetzlichkeiten auf, so zeigt dies von Schmerzen, veranlasst durch zu schnelle oder zu anhaltende Anforderungen. Man kürze daher die Lektionen ab, oder nehme sie nur einen Tag um den andern vor, oder setze sie einige Zeit ganz aus. Zeigt das Pferd bei einer neuen Probe wieder Ruhe und guten Willen, so beginne man zunächst mit den Anfangsgründen und sei nun vorsichtiger.“
(B.H.v.Holleuffer, 1896)

„Das Lösen des Pferdes geschieht, indem man die Ursachen der Muskelverspannungen richtig erkennt und abstellt. Die Grundlage aller richtigen Arbeit bildet die Gleichgewichtsrichtung, d.h. taktmäßige Gangarten auf korrekten Hufschlaglinien, sodass das Pferd in alle Richtungen ausbalanciert ist und die Beine gleichmäßig belastet werden. Dadurch allein werden sich bestimmte Verspannungen schon auflösen, diejenigen nämlich, die durch die Schiefe oder mangelndes Gleichgewicht verursacht wurden. Steifheiten, die von Exterieurmängeln her stammen, werden dadurch jedoch nicht verschwinden. Sie müssen durch gezielte Dehnungs- und Balancierübungen bearbeitet werden. Verspannungen, die durch den Reitersitz und eine ungeschickte Hilfengebung ausgelöst werden, können erst dann beseitigt werden, wenn der Reiter seinen Sitz und seine Hilfen verbessert. Verspannungen, die von zu hohen Anforderungen verursacht werden, gehen erst dann weg, wenn die Anforderungen an das Leistungsvermögen des Pferdes angepasst werden, usw.“
(Thomas Ritter)

Mehr über Dr. Thomas Ritter findet ihr in diesem Porträt und auf seiner Homepage.

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