Für die Bestimmung des BCS werden die Fettpolster an bestimmten Körperregionen abgetastet.

Der Body Condition Score (BCS)

Für die Bestimmung des BCS werden die Fettpolster an bestimmten Körperregionen abgetastet.

Das absolute Gewicht seines Pferdes zu kennen ist zwar sehr nützlich – beispielsweise für die richtige Dosierung von Wurmkuren und andere Medikamente. Es sagt aber noch nichts darüber aus, ob das Tier Übergewicht hat oder nicht. Dafür eignet sich besser der Body Condition Score, ein System das dem Body Maß Index (BMI) für Menschen ähnelt. Einen aktuellen Body Condition Score für Warmblut-Pferde hat Stephanie Schramme in einer Doktorarbeit am Lehrstuhl für Tierernährung der Uni München bei Futterexpertin Professor Ellen Kienzle entwickelt. Er basiert auf einem bereits 1983 für Quaterhorse-Stuten aufgestellten System, dass Schramme den rassetypischen Unterschieden entsprechend abwandelte und anpasste.

Der Begriff „Body Condition“ bezeichnet das Verhältnis von Fettmasse zu fettfreier Masse im Körper eines Tieres. Der Body Condition Score (BSC) ist ein Bewertungssystem, bei dem die von außen sicht- und fühlbaren Fettdepots sowie die Muskulatur des Pferdes beurteilt und mit Punktzahlen bewertet werden. Diese reichen von 1 (sehr mager) bis 9 (sehr fett). Bei dünnen Pferden fließt vor allem der Verlust von Muskelmasse in die Bewertung ein, bei dicken Pferden die Ansammlung von Unterhautfettgewebe.

Um den BSC zu ermitteln werden sechs Körperregionen einzeln auf einer Skala von 1 bis 9 bewertet: Hals, Schulter, Rücken, Brust, Hüfte und Schweifansatz.  Aus den sechs Einzelwerten wird anschließend der Durchschnitt errechnet.

Ein Kaltblut hat schon rassebedingt mehr Fettpolster als andere Rassen

Ein Kaltblut hat schon rassebedingt mehr Fettpolster als andere Rassen

Am Hals und an der Schulter kann wegen der dünnen Haut sehr gut zwischen Muskulatur und Fettgewebe unterschieden werden. Zur Bestimmung des BSC am Hals wird das Kammfett mit einer Schieblehre gemessen. Bei Hengsten muss hier berücksichtigt werden, dass sie von Natur aus mehr Kammfett besitzen (Hengsthals) als Stuten oder Wallache. An Rücken und Hüfte ist die Unterscheidung zwischen Muskulatur und Fettgewebe etwas schwieriger, weil die Haut hier dick und straff ist. Hier wird deshalb bewertet, wie stark die Wirbelsäule beziehungsweise das Becken hervorstehen oder von Muskeln beziehungsweise Fett eingedeckt sind.

Um den Fettansatz an der Brustwand abzuschätzen, werden die Konsistenz und die Dicke des Gewebes über den Rippen beurteilt: Je mehr Fettansatz, umso weicher das Gewebe über den Rippen und umso größer die Eindrücktiefe der Fingerkuppen.
Am Schweifansatz wird das Gewebe um die ersten vier Schwanzwirbel beurteilt, welche das hintere Ende der Kruppe bilden. Dort befindet sich nur wenig Muskulatur, aber reichlich Fettgewebe.

Die Bedeutung des BCS für die Leistungsfähigkeit eines Pferdes wurde bereits Ende der 1990er Jahre an den Teilnehmern eines 100 Meilen-Distanzrittes in den USA überprüft. Pferde mit einem Body Condition Score von 5,0 und 5,5 waren in diesem Rennen am erfolgreichsten. Die Pferde, die aufgrund gesundheitlicher Probleme vorzeitig ausscheiden mussten, hatten dagegen einen durchschnittlichen BCS von nur 3,5. Obwohl sie mehr Gewicht transportieren mussten, war die Leistungsfähigkeit von Pferden mit einem mittleren BCS also deutlich höher. Auch die Fruchtbarkeit von Zuchtstuten leidet unter einem zu geringen BSC.

Die Muskulatur eines Pferdes wächst auch ohne spezielles Training bis zu einem gewissen Grad, wenn dem Körper dafür genügend Energie zur Verfügung steht. Ist dieser Grad erreicht – er entspricht einem Body Condition Score von 4 – , bilden sich die ersten von außen sichtbaren Fettpolster. Dadurch steigt der BSC auf 5. Erst an diesem Punkt steht dem Pferd genügend Energie zur Verfügung, um durch Training zusätzliche Muskulatur aufzubauen. Pferde mit einem BSC von 6 besitzen noch mehr Muskulatur, gleichzeitig überwiegt allmählich der Zuwachs des Fettgewebes. An diesem Punkt ist die Muskulatur dem Pferdetyp und dem Training entsprechend voll aufgebaut. Eine Steigerung des BCS auf 7 oder mehr bringt keinen offensichtlichen Muskelaufbau mehr mit sich.

Für Spring- und Vielseitigkeitspferde, bei denen es neben der reinen Muskelkraft auch auf die Ausdauer ankommt, gilt ein BSC von 5 als ideal. Bei Dressurpferden, bei denen mehr Kraft als Ausdauer gefragt ist, ist ein BSC von bis zu 6 erwünscht, damit sich die Muskulatur maximal entwickeln kann. Auch Zuchtstuten dürfen etwas mehr Fettgewebe haben. Ab einem Body Condition Score von 7 beginnt für jedes Pferd die gesundheitliche Belastung.

 Der aktuelle BSC wurde an und für Warmblutpferde entwickelt. Sollen Pferde anderer Rassen bewertet werden, muss das berücksichtigt werden. Viele Kaltblüter haben beispielsweise von Natur aus mehr Kammfett. Ebenso ist eine gespaltene Kruppe bei ihnen kein Zeichen von Fettansatz, sondern von gut ausgebildeter Muskulatur. Ponys und Robustrassen wirken schon aufgrund ihres Körperbaus und ihrer meist dickeren Haut rundlicher. Bei einem Vollblut zeichnen sich Muskeln und Blutgefäße deutlich unter der dünnen Haut ab, wodurch es drahtiger wirkt. Auch das Alter von Pferden muss man bei der Bewertung berücksichtigen: Bei alten Pferden wird das Gewebe lockerer und besonders am Widerrist baut sich das Fettgewebe ab.

Die Bewertung nach dem BSC wird von Mitarbeitern einiger Mobilen Pferdewaagen angeboten.

Neben dem BCS gibt es noch weitere Techniken, um die Körperzusammensetzung an lebenden Tieren zu messen, die aber in der Regel sehr aufwändig und teuer sind. Dazu gehören die Untersuchung des Fettgewebes mit Ultraschall und die Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA), einer indirekten Messung des Fettgewebes mit Hilfe von Elektroden.

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