Susanne Buchner mit ihrer Paintstute Little Queen Mary

Porträt – die Hufheilpraktikerin Susanne Buchner

Susanne Buchner mit ihrer Paintstute Little Queen Mary

Bei meiner Arbeit als Lokalredakteurin für die hiesige Tageszeitung habe ich nur selten mit Pferdethemen zu tun – jetzt hatte ich wieder einmal Glück und bekam den Auftrag, ein Porträt über eine in der Nähe ansässige Hufheilpraktikerin zu schreiben. Vergangen Woche traf ich mich mit ihr bei ihren drei Pferden, die in einem Offenstall bei Kirchzarten leben – es wurde ein sehr interessanter, spannender und netter Nachmittag, der mir viele Denkanstöße auch für meine eigene Stute gab.

Die Berufsbezeichnung „Hufheilpraktikerin“ ist nicht allzu bekannt: Sie stammt von der Tiermedizinerin Dr. Hiltrud Straßer, die sich seit Jahrzehnten der Erforschung des Pferdehufes widmet und darauf basierend eine eigne Methode  der Hufpflege entwickelt hat. Bei ihr hat Susanne Buchner vor 15 Jahren gelernt und auch in Straßers Hufklinik mitgearbeitet. Für ihre eigenen Distanzpferde funktionierte die Methode dann allerdings nie 100prozentig, die Pferde gingen immer fühlig. Deshalb hat Buchner die Methode abgewandelt und ihre eigene Technik entwickelt – so kürzt sie beispielsweise die Trachten und Eckstreben nicht so radikal wie in der Straßer-Methode üblich. „Ein Pferd muss schmerzfrei laufen können, nur dann kann es Spaß an der Sache haben und leistungsbereit sein“ findet Buchner.

Eine Hufheilpraktikerin beschäftigt sich keineswegs nur mit den Hufen: Eine Verbesserung der Hufbalance und der Hufgesundheit wirkt sich auf den ganzen Körper aus und kann deshalb auch ganz andere Krankheitsbilder verbessern. Die Hufe haben für den Körper des Pferdes eine wichtige Funktion: Durch die Ausdehnung der Hufkapsel beim Auftreten und das wieder zusammenziehen beim Abfußen fungieren sie als eine Art Pumpen, die das Herz bei seiner Arbeit unterstützen und den Blutkreisreislauf und damit auch den Stoffwechsel anregen und in Schwung halten. Ein guter Stoffwechsel ist eine wichtige Voraussetzung für Gesundheit bzw. Heilung: Denn sowohl können Nährstoffe besser dahin transportiert und verwertet werden, wo sie gebraucht werden, zum anderen können Schad- und Giftstoffe besser abtransportiert und ausgeschieden werden.

Bei Pferden, deren Hufe nicht richtig ausgeschnitten sind und die dadurch beim Auftreten Schmerzen haben, funktioniert dieser Pumpmechanismus nicht richtig. Eine besondere Bedeutung haben dabei die Eckstreben, die bei der Straßer-Methode stark zurückgeschnitten werden, damit sie dem Pferd nicht in die Hufrolle drücken und es so am entspannten Auftreten hindern. Laut Buchner könnte fast allen Pferden mit Hufrollenproblematik allein durch richtiges Ausschneiden wesentlich geholfen werden.

Bei der Behandlung eines Pferdes berücksichtigt Frau Buchner die gesamten Lebensumstände des Pferdes: Was bekommt es zu fressen, wie wird es geritten und trainiert, in welchem Zustand befinden sich Fell, Muskulatur und Zähne und wie ist das Verhältnis zu seinem Besitzer?
So zeigt ein krankes Pferd meist verschiedene Symtome: Vielleicht hat es zu flache Hufe, gleichzeitig wirkt das Fell struppig und die Muskulatur ist verspannt. All diese Faktoren müssen berücksichtigt werden, um die richtige Behandlung zu finden.
„Das Wichtigste ist dabei zunächst, das Pferd schmerzfrei zu machen – denn nur dann kann das Immunsystem wieder richtig arbeiten“, so Buchner. Am Anfang steht fast immer das Ausschneiden und Raspeln der Hufe, das manchmal alle paar Tage wiederholt werden muss, bis das Pferd wieder richtig auf seinen vier Füßen steht. „Fast alle Pferde haben schiefe Hufe, Diese Schiefe versucht das Pferd mit seiner Muskulatur auszugleichen, was natürlich zu Verspannungen führt.“ Für die weitere Therapie stehen Frau Buchner verschiedene Heilmethoden zur Verfügung: Sie verwendet Homöopathie, Akupunktmassage nach Penzel, Blutegel- und Farblichttherapie sowie Laserakupunktur. Im Augenblick absolviert sie noch eine Ausbildung zur Pferdephysiotherapeutin, um ihre Patienten noch umfassender behandeln zu können. Neben der Hufgesundheit gehört Bewegung für Buchner zu den wichtigsten Mitteln der Gesunderhaltung: „Denn wenn ein Pferd steht, läuft auch der Stoffwechsel nicht!“ Meist reicht es nicht, nur die sichtbare Krankehit zu behandeln, oft müssen bei ihrem Patienten vor allem die Haltungs- und Trainingsbedingungen umgestellt werden. Dabei muss Buchner oft mit vie Fingerspitzengefühl vorgehen, um die Pferdebesitzer nicht vor den Kopf zu stoßen und zu verschrecken.

En weiteres Element ist für Buchner gebissloses reiten, weil das Gebiss eine Schluckreflex auslöse und so die Atmung behindere: „Durch den Sauerstoffmangel übersäuert dann die Muskulatur.“ Auch mit chemischen Wurmkuren belasten wir nach Buchners Überzeugung den Pferdeorganismus viel zu stark. Sie selbst entwurmt seit 15 Jahren ausschließlich homöopathisch und mit Kräutern. Den Erfolg überprüft sie dreimal jährlich mit Hilfe von Kotproben.

Die Heilpraktikerin, die sich heute als Freizeitreiterin bezeichnet, war früher aktiv im Dressur- und Springsport. Ein Schlüsselerlebnis war für sie ein Unfall beim Springen: Ein Pferd, das nach einem Sprung mit ausgekugeltem Kniegelenk gestürzt war und sich vergeblich abmühte, wieder aufzustehen, war für sie wie ein Weckruf: „Hör doch mal auf das, was das Pferd dir sagt!“

Weil sie es leid war, in den Ställen immer erklären zu müssen, warum sie alles anders machte, wandte sie sich eine Zeit lang ganz von den Pferden ab und den Hunden zu: Am deutschen Institut für Tierpsychologie & Tiernaturheilkunde (DIFT) absolvierte sie eine Ausbildung zur Hundepädagogin. Die dort erworbenen Kenntnisse über das tierische Lernverhalten kann sie heute auch gut für die Arbeit mit den Pferden gebrauchen. Die gelernte Industriekauffrau arbeitete auch schon als Fahrlehrerin und Rettungsassistentin – zu letzterem kam sie über ihren Hund, mit dem sie Mitglied einer Rettungsstaffel war.
Die Pferde ließen sie jedoch nicht los: Immer wieder baten Pferdebesitzer sie um Hilfe oder sie selbst begegnete kranken Pferden, denen sie einfach helfen musste. Obwohl sie vor zwei Jahren eigentlich eine Hundeschule gründen wollte, widmet sie sich nun wieder ausschließlich den Pferden. Derzeit behandelt sie Tiere im gesamten Großraum Freiburg, im Allgäu, der Bodenseeregion, in der Schweiz und Frankreich.

Susanne Buchner mit ihrer französischen Warmblutstute Histoire du Sel

Susanne Buchner mit ihrer französischen Warmblutstute Histoire du Sel

Buchner hat im Moment drei eigene Pferde: Die französische Warmblutstute „Histore du Sel“ kommt sollte nach ihrem Abschied aus dem Springsport Zuchtstute werden, wurde aber einfach nicht trächtig. Als Buchner sie zu sich holte, hatte sie am ganzen Körper große Warzen und ständig dick angelaufene Beine. Durch Buchners Behandlung sind die Beine inzischen wieder klar, die Warzen fast vollständig abgefallen bzw. zurückgebildet. Buchner reitet die 19jährige Stute regelmäßig zwei Stunden im Gelände. Auch das zweite Pferd der Familie ist schon ein Senior: Der 21jährige Ponywallach Joschi hatte sein ganzes Leben ohne Pferdegesellschaft verbracht, litt unter Hufrehe und der Stoffwechselstörung Cushing. Buchner stellte ihre Familie vor die Wahl: Entweder wir erlösen den Kleinen oder wir nehmen die Herausforderung an und kümmern uns alle zusammen um seine Behandlung. Denn Buchner war klar, dass es ein langer Weg werden würde, diesem Pony wieder Freude an Bewegung und damit am Leben zu verschaffen und dass sie dazu die Unterstützung ihrer Familie brauchte. Buchners Mann Thomas und die beiden Söhne gehen regelmäßig mit Joschi spazieren und inzwischen flitzt der Kleine auch wieder gerne im Galopp über die Wiese. Er darf sogar ganz normal auf die Weide – das dies an ein Wunder grenzt, wissen alle Besitzer von Rehe-Pferden. Die dritte im Bunde ist die vierjährige Paintstute Little Queen Mary. Buchner suchte eigentlich einen älteren, ruhigen und gut ausgebildeten Wallach als Reitpferd für ihre Kinder; ihr Mann verliebte sich jedoch in die blauen Augen des jungen Westernpferdes. Die Stute war bei den Vorbesitzern dreijährig schon angeritten worden und kam mit einer riesigen Schwellung am Rücken aus dem Beritt. Buchners kauften sie als „vermutlich unreitbar“. Nach einem Jahr Behandlung, wozu auch täglich weite Strecken Bewegung als Handpferd gehören ist der Rücken jedoch gesund und gut bemuskelt und Buchner ist sich sicher, dass sie die Stute im nächsten Jahr ganz normal einreiten kann.

Susanne Buchner stammt aus Ulm. Seit zwei Jahren lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Hofsgrund im Schwarzwald. Bald steht jedoch wieder ein Umzug an: Die 38jährige hat sich einen Traum erfüllt und eröffnet am 1. Juli ein eigenes Pferdezentrum in Messkirch-Heudorf bei Siegmaringen. Ihr Mann, von Beruf Elektrotechniker-Meister und  Betriebswirt, übernimmt dabei Verwaltung und Management. Kernstück der Anlage ist ein Aktivstall, in dem sich die Pferde täglich viele Kilometer bewegen müssen, um von den Futterplätzen zu den Tränken und Schlafplätzen zu kommen. Eine  computergesteuerter Kraft- und Raufütterungsanlange sorgt dabei für eine genau auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Pferdes ausgerichtete Fütterung. Neben normalen Pensionspferden wird Buchner hier auch Therapiepferde zur stationären Behandlung aufnehmen. Außerdem wird der Hof Ausbildungsstützpunkt des DIFT für Süddeutschland, so dass hier bald verschiedene Seminare stattfinden werden. Daneben sind auch Reitkurse geplant. Ihre bisherigen Kunden will Buchner weiter betreuen und dazu alle vier bis sechs Wochen nach Südbaden kommen.

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