Rezension: PROBLEMlos EISENlos – Wege zum Barhuf von Konstanze Rasch

Konstanze Rasch: Problemlos eisenlos - Wege zum Barhuf

Konstanze Rasch: Problemlos eisenlos – Wege zum Barhuf

Wow, was für ein tolles Buch! Ich hätte nicht gedacht, dass ich ein Buch über Hufe so spannend finden würde, dass ich, obwohl ich es eigentlich erst mal nur durchblättern wollte, gleich zwei Stunden am Stück darin lese. Und seither habe ich es immer wieder zur Hand genommen und weiter geschmökert. Ein Schmöker ist es wirklich mit seinen gut 360 Seiten, eng bedruckt mit relativ kleiner Schrift und mit unzähligen Fotos bestückt. Anders als „echte“ Schmöker ist es allerdings keine wirklich leichte Kost: Der Text ist recht wissenschaftlich, mit vielen Zitaten und Anmerkungen versehen; kein Wunder – die Autorin ist promovierte Soziologin und dieser akademische Hintergrund ist ihrem Schreibstil deutlich anzumerken. Ich persönlich empfinde das als großen Vorteil, denn anders als andere Autoren, die zwar viel von der Sache aber nicht unbedingt etwas vom Schreiben verstehen, gelingt es Frau Rasch, ihr fundiertes Wissen sehr strukturiert und in einer zwar sehr fachlichen aber doch verständlichen Sprache zu vermitteln.

Mein einziger Kritikpunkt an diesem tollen Werk ist der Titel: Ich verstehe ja, dass das Wortspiel reizvoll ist, meiner Meinung nach vermittelt es aber einen falschen Eindruck von dem Buch. Mein erster Gedanke, als ich den Titel las, war: Naja, das wird wieder so ein dogmatisches „Anti-Hufeisen-Buch“ sein, in dem suggeriert wird, dass jedes Pferd barhuf klarkommt, egal wie es gehalten und geritten wird und welche Voraussetzungen es mitbringt. Genau das ist dieses Buch aber überhaupt nicht! Zwar ist Frau Rasch grundsätzlich eine Befürworterin des Barhufs, die Gründe dafür erläutert sie aber äußerst differenziert. So geht sie – nachdem im ersten Kapitel grundsätzlich die Eigenschaften des Pferdehufs erläutert wurden – im zweiten Abschnitt genau auf jede einzelne Wirkung des Eisenbeschlages auf den Huf ein und nennt dabei sowohl die Vor- als auch die Nachteile.  Sehr interessant finde ich auch den Abschnitt über die Geschichte des Hufbeschlags. Besonders hilfreich für den Pferdebesitzer, der über eine Umstellung auf barhuf nachdenkt, sind das dritte und vierte Kapitel: Hier geht Rau Rasch einzeln auf jeden Grund ein, aus dem ein Pferd Eisen brauchen könnte, von zu starkem Abrieb über Fühligkeit, Ausbrechen, Fehlstellungen sowie verschiedene Erkrankungen wie Hufrollensyndrom, Hufkrebs und Hufrehe. Sehr ausführlich erläutert sie hier jeweils die Ursachen, den Krankheitsverlauf, die Wirkung verschiedener Beschlagsformen bzw. der Barhufbearbeitung sowie mögliche Alternativen. Das fünfte Kapitel widmet sich schließlich der Umstellung von bisher beschlagenen Pferden auf barhuf: Was ist zu beachten, damit die Umstellung gelingt, was kann der Pferdebesitzer dazu beitragen und was muss der Hufbearbeiter tun.

Das letzte Drittel des Buches nehmen Fallgeschichten ein, die besonders spannend zu lesen sind. Anhand von 14 realen Fällen aus der Praxis von Frau Rasch und ihren Kolleginnen werden typische Krankheitsgeschichten und Hufprobleme dargestellt, wie dabei vorgegangen wurde und mit welchem Ergebnis. Auch diese Beispiele sind mit zahlreichen Fotos illustriert, die das Ganze sehr anschaulich machen.

Was mir an diesem Buch – neben der Fülle fundierter Information und deren anschaulicher Vermittlung – besonders gut gefällt, ist dass es absolut undogmatisch und frei von Ideologie ist. Frau Rasch hat ausschließlich das Wohl des einzelnen Pferdes im Auge und wenn es diesem in einem besonderen Fall mit einem Eisenbeschlag am besten gehen sollte, so ist sie für diesen Eisenbeschlag. Zur Veranschaulichung dieser Einstellung möchte ich abschließend aus dem Buch zitieren:

Zunächst muss man sich einmal klar machen, dass die Entscheidung für den Beschlag oder für den Barhuf jeweils eine höchst individuelle Entscheidung ist. Mann fällt eine (möglichst sachgerechte) Entscheidung für dieses spezielle Pferd und in diesem konkreten Moment. Ein Pferd braucht weder automatisch Eisen, nur weil es nun … angeritten werden soll, noch braucht es fraglos Eisen, weil … es einfach schon immer welche hatte oder früher einmal an der Sehne oder der Hufrolle erkrankt war. Aber auch andersherum ist ein Barhuf-Pferd, auch wenn es die tollsten und kräftigsten Hufe hat, nicht ohne Limit und unter allen Umständen ohne Hufschutz nutzbar. Das muss nicht in jedem Fall ein Eisenbeschlag sein, mitunter ist dieser aber auf für das Pferd in dieser Situation einfach die beste Lösung. Also weg vom globalen Entschluss hin zur gründlich durchdachten und situationsabhängigen Entscheidung.“

Für alle Pferdebesitzer, die mit dem Gedanken spielen ihr Pferd auf Barhuf umzustellen, deren Pferd irgendwelche Probleme mit den Hufen hat oder die einfach mehr über dieses Thema wissen wollen, gibt es von mir eine absolute Kaufempfehlung!

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