Fußballspielen mit dem Pferd

Wenn es beim lernen plötzlich „Klick“ macht – Clicker-Training mit Pferden

Fußballspielen mit dem Pferd

Gegen das Clicker-Training gibt es viele Vorurteile – ich selbst hatte sie ehrlich gesagt auch, bevor ich es schließlich selbst ausprobiert habe: „Das ist doch nur was für Hunde“, „Wenn ich mein Pferd so mit Leckerli vollstopfen, fängt es an zu betteln“, „Was soll der Firlefanz, mir reichen Stimmkommandos und Gertenhilfen“. Mich hatten schließlich die Berichte und Anleitungen in dem englischsprachigen Forum Art of Natural Dressage animiert, es trotzdem einfach mal auszuprobieren und ich kann es wirklich nur empfehlen! Clicker-Training basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Verhaltenspsychologie, kann erstaunliche Erfolge hervorbringen und macht außerdem noch jede Menge Spaß! Auch wenn ich im Moment mit meinem Pferd nicht mehr mit dem Clicker arbeite, habe ich in dieser Zeit doch unglaublich viel gelernt und viele Erkenntnisse gewonnen: Darüber wie ein Pferd lernt und denkt und wie man mit ihm kommunizieren kann.

Die Basis

Traditionell funktioniert Pferdeerziehung ja so, dass unerwünschtes Verhalten bestraft oder zumindest unangenehm gemacht wird. In der Lernpsychologie nennt man das negative Bestärkung. Das funktioniert auch in vielen Fällen. Der große Nachteil an dieser Methode: Dadurch, dass das Pferd weiß, was es NICHT tun soll, weiß es noch lange nicht, was es stattdessen tun soll. Ein Beispiel: Das Pferd soll stillstehen. Macht es einen Schritt nach vorne wird es bestraft. Nun probiert es einen Schritt nach hinten und wird wieder bestraft, dann geht einen Schritt zu Seite, fängt an zu scharren, schlägt mit dem Kopf, – es sucht nach immer neuen Lösungen und immer wieder wird es bestraft. Das ist für alle Beteiligten ziemlich frustrierend und führt zu Stress und Ärger: Beides die schlechtesten Voraussetzungen dafür, etwas zu lernen. Wäre es da nicht viel einfacher, das Pferd für das erwünschte Verhalten zu belohnen?

Auf einen Click gibt es ein Leckerei

Der Click wird mit Futter verknüpft und
dadurch zur positiven Verstärkung

Das Clicker-Training arbeitet genau so, nämlich ausschließlich mit positiver Bestärkung. Im Beispielfall würde das Pferd belohnt, sobald es für einen kleinen Moment stillsteht. Dann wird das Lob allmählich herausgezögert, bis das Pferd nahezu beliebig lange stillsteht. Professionelle Tiertrainer erreichen mit dieser Methode erstaunliche Ergebnisse: Wildtiere halten freiwillig still, um sich vom Tierarzt behandeln zu lassen; Mäuse bewältigen komplizierte Trailparcours; Hühner gehen im Slalom durch Hütchen oder picken auf Kärtchen mit der gewünschten Farbe. Entwickelt wurde das Clicker-Training in den USA und zwar ursprünglich bei der Ausbildung von Delphinen für Showprogramme. Einen Delphin kann man schlecht mit einer Peitsche durch einen Ring treiben oder an einer Leine hinter sich erziehen. Da lag es nahe, mit einem akustischen Signal zu arbeiten und damit das erwünschte, richtige Verhalten zu „markieren“, wie es im Clicker-Training heißt. Denn ein wichtiger Grundsatz aus der Verhaltenspsychologie, der übrigens für alle Lebewesen gilt, lautet: Verhaltensweisen, die belohnt werden, die also einen Vorteil wie Aufmerksamkeit oder Futter bringen, werden häufiger gezeigt. Ein Verhalten, dass keinen Vorteil bringt, wird seltener gezeigt. Das klingt banal, es lohnt sich aber, diesen Grundsatz einmal genau zu nehmen: Sehr häufig belohnen wir nämlich unbewusst unerwünschtes Verhalten: Ein Pferd das am Putzplatz scharrt, bekommt dafür Aufmerksamkeit von seinem Besitzer; ein Pferd das erschrickt, wird beruhigend gestreichelt; ein Pferd das beim Verlanden vor der Rampe stockt, wird in diesem Moment gelobt – wenn es dagegen die Rampe hochgeht, wird am Strick gezogen, damit es jetzt nur ja nicht mehr stehen bleibt.

Natürlich arbeiten wir auch in der herkömmlichen Pferdeausbildung mit positiver Bestärkung: Wir loben mit der Stimme, klopfen oder streicheln den Hals oder geben Leckerchen. Der entscheidende Unterschied beim Clicker-Training ist das exakte Timing. Ein Beispiel: Beim Reiten hat ein Galoppwechsel besonders gut geklappt, der Reiter pariert zum Schritt durch und lobt das Pferd. Was genau dem Reiter gefallen hat, kann das Pferd nur erahnen: Der Galopp vor oder nach dem Wechsel, das Umspringen, das Durchparieren? Beim Clickern kommt das Signal dagegen sekundengenau im richtigen Moment; der Mensch verliert keine Zeit mit langen Worten oder Kramen nach Futter. Viele Reiter denken sich: „Mein Timing ist bestens, ich schaffe das auch ohne Clicker“. Wenn Sie es aber einmal ausprobieren, werden Sie überrascht sein, welchen Unterschied die Genauigkeit des kurzen akustischen Signals macht. Viele Pferde sind regelrecht begeistert, dass ihr Mensch ihnen auf einmal so genau mitteilen kann, was er eigentlich von ihnen will und sind plötzlich mit unglaublicher Motivation dabei. Mit der Zeit entwickeln sie Eigeninitiative und versuchen aktiv, die richtige Lösung zu finden – beim Clickertraining ein absolut erwünschtes Verhalten. Ich habe das selbst mit meinem Schwarzwälder-Wallach Filux erlebt, der mir in der Zeit, als ich vor allem so mit ihm arbeitete, auf der Weide im Galopp entgegen kam!

Clicker und Leckerei

Das braucht man: Einen Clicker
und jede Menge Leckerei

Einen Clicker bekommen sie in Tierhandlungen mit Hundebedarf und in zahlreichen Internetshops. Nehmen Sie nicht gerade den billigsten, denn ein bisschen Qualität darf schon sein, damit das kleine Plastikding nicht gleich auseinander fällt. Ich persönlich fand diesen Clicker von Starmark besonders angenehm in der Anwendung. Mit rund sechs Euro ist ein hochwertiger Klicker immer noch billiger als die meisten anderen Ausrüstungsgegenstände für Pferde. Sehr praktisch ist ein Spiralarmband, mit dem der Clicker am Handgelenkt befestigt werden kann. So ist er jederzeit griffbereit, aber Sie haben trotzdem bei Bedarf beide Hände frei – beispielsweise für Führstrick und Gerte.

Und so funktioniert es

Zunächst einmal wird das Pferd auf das Geräusch des Clickers konditioniert. Dazu betätigen Sie den Clicker und geben direkt anschließend ein Futterlob – im Moment noch ohne dass das Pferd dafür irgend etwas tun muss. Es hat sich bewährt, in dieser Anfangsphase mit einem Zaun zwischen sich und dem Pferd zu arbeiten. Denn bis das Pferd verstanden hat, dass es immer nur gefüttert wird, wenn der Click ertönt, wird es Sie möglicherweise anstupsen oder versuchen, an die Futtertasche zu kommen. Stehen Sie hinter einem Zaun oder hinter seiner Boxentür, können Sie einfach so viel Abstand halten, dass das Pferd nicht an Sie herankommt und vermeiden unnötige Auseinandersetzungen. Sobald das Pferd sich Ihnen zuwendet, wenn es den Click hört, hat es den Zusammenhang verstanden und sie können mit dem eigentlichen Training beginnen.

Target berühren

Zunächst lernt das Pferd, einen Gegenstand,
das „Target“, mit dem Maul zu berühren.

Die erste Übung ist das Berühren eines Gegenstandes, des so genannten „Target“ (englisch „Ziel“). Sie halten dem Pferd eine Pylone, einen Ball oder ein Teil aus der Putzkiste vor die Nase. Sobald es den Gegenstand mit den Nüstern berührt, kommt sekundengenau der Click und die Belohnung. Nach einigen Malen steigern sie den Schwierigkeitsgrad und halten den Gegenstand weiter nach oben oder unten. Wenn auch das funktioniert, entfernen Sie sich mit den Gegenstand vom Pferd, so dass es Ihnen folgen muss, um das Zielobjekt zu berühren. Das muss nicht alles an einem Tag klappen, verteilen Sie die Schritte ruhig auf mehrere Übungseinheiten. Ein nächster möglicher Schritt wäre, dem Pferd beizubringen, bestimmte Dinge mit dem Huf zu berühren. Auf dieser Grundlage lassen sich mit der Zeit die unterschiedlichsten Übungen aufbauen: Fußballspielen, Apportieren, Hufe geben und oben halten, Spanischer Schritt, Verladetraining (Fuß auf die Rampe setzen oder dem Target in den Hänger folgen) – der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

So verhindern Sie Betteln

Geben Sie im alltäglichen Umgang – zumindest in der ersten Zeit – keine Leckerli ohne Click! Dann wird ihr Pferd sehr schnell begreifen, dass Betteln sinnlos ist und bald komplett damit aufhören. Eine gute „Anti-Bettel-Übung“ ist außerdem die Folgende: Nehmen Sie ein Leckerli in die geschlossene Faust und halten sie diese mit dem Handrücken nach oben dem Pferd unter die Nase. Berührt das Pferd die Hand, machen sie mit der Faust eine leicht schnickende Bewegungen gegen das Pferdemaul. Sobald das Pferd seinen Kopf auch nur um Millimeter wegbewegt, folgt ein Click und die Belohnung. Allmählich zögern sie den Click hinaus, bis das Pferd erst belohnt wird, wenn es den Kopf richtig von Ihnen abwendet. Dann verbinden Sie damit ein Wort, z.B. „Nein“: Auf dieses Kommando wird Ihr Pferd in Zukunft den Kopf abwenden und wird dann dafür belohnt. Schon haben Sie eine Übung installiert, mit der Sie Ansätzen von Betteln sofort begegnen können.

 

 Zum Weiterlesen

Dieser Artikel kann nur einen ersten Einblick in die Methode des Clicker-Trainings geben. Wer sich intensiver damit beschäftigen möchte, dem sei eines der folgenden Bücher empfohlen:

Gut verständliche Anleitung einer Reitlehrerin und studierten Tierverhaltenstherapeutin:
Mata Pohl: Clickertraining: Positive Bestärkung in der Pferdeerziehung, Books on Demand 2009, € 9,95.

Eine kompakte und übersichtliche Einführung ins Thema gibt:
Barbara Schöning: Clicker Training für Pferde, Kosmos 2006, € 9,95.

Das ausführlichste Buch mit vielen tollen Übungsideen ist:
Viviane Theby, Katja Frey, Nina Steigerwald: Clickerfitte Pferde: gesund, geschickt und gut erzogen, Müller Rüschlikon 2011, € 19,95.

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Franziska,

    toll, dass du das Clickern für dich entdeckt hast! Mir ging es ähnlich wie dir: Ich war der festen Überzeugung, dass es keine Methode geben könnte, die meinen Umgang mit Pferden derart revolutioniert, dass sie den Hype wert sei. Wie wichtig das exakte Timing ist, das mir der Clicker erlaubt, ist mir erst aufgefallen, als meine Stute plötzlich rasante Fortschritte machte, die vorher nie möglich gewesen waren. Ich lobe mittlerweile in allen Lebenslagen mit dem Clicker.

    Noch eine klitzekleine Klugscheißer-Anmerkung, die ich mir als Psychologin nicht verkneifen kann: In der Pferdewelt wird leider nicht nur mit „negativer Verstärkung“ (=ein unangenehmer Reiz wird entfernt, sobald das gewünschte Verhalten gezeigt wird, z.B. das Ziehen am Strick wird eingestellt) gearbeitet, sondern auch viel mit „positiver Bestrafung“ (=ein unangenehmer Reiz kommt hinzu, wenn unerwünschtes Verhalten gezeigt wird, z.B. der Schlag mit der Gerte, wenn das Pferd stehenbleibt).

    Ich bin übrigens ein großer Fan deines Blogs! :-)

    Liebe Grüße,
    Sinje

    • Liebe Sinje, vielen Dank für deinen netten Kommentar! Und danke für den Hinweis mit der „positiven Bestrafung“, die kommt ja tatsächlich ziemlich häufig vor…

  2. Vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Ich selbst halte viel von dieser Trainingsmethode, da man den Lernerfolg mit positiven Dingen hervorbringt.
    Dass das bessere Ergebnisse bringt ist ja auch beim Menschen bewiesen.
    Mit besten Grüßen,
    Inge

  3. Toller Artikel. Ich habe Clickertraining mit meinen beiden Hunden durch und auch wirklich schon dadrüber nachgedacht es bei meinem Pony zu probieren. Allerdings ist er mit seinen 4 Jahren gerade noch in der Grundausbildung und ich habe da bisschen Angst ihn zu „versauen“. Ich wüsste spontan gar nicht, was ich ihm da beibringen soll. Denke wenn sich alles gefestigt hat werden wir es aber mal probieren.

  4. WOW, echt ein toller Artikel.
    Ich selbst habe auch schon Erfahrung mit dem ClickerTraining gemacht und super Resultate erzielt.
    Allerdings wurde dann mein Pferd sehr gierig nach dem Futter!
    Die Tricks, wie es erst gar nicht zum Betteln kommt, finde ich klasse und werde es so mal umsetzen….Danke!!!

    LG Manuel

  5. …spannender Blog :) Danke!
    ich habe mir viele Gedanken über Pferdeverhalten und -kommunikation gemacht. Clickern ist eine einfache Form der Konditionierung. Finden Sie ihr Pferd ist schlau? Meine Erfahrung ist, dass Pferde intelligente Wesen sind und Dinge besonders gern machen, wenn sie einen Sinn dahinter verstehen was sie machen sollen. So arbeite ich gerne auf der Grundlage einer gemeinsamen Beziehung, durch Modelllernen oder mit versschiedenen kognitiven Herausforderungen mit dem Pferd. Ich würde einem Kind nichts durch Clickern vermitteln wollen. Pferde untereinander kommunizieren auch nicht durch Clickern.
    Das soll keine Kritik sein- nur ein kleiner Denkanstoß.
    Liebe Grüße Bina

    • Hallo Bina, vielen Dank für deinen Beitrag!
      Du hast recht, Klickern ist zuerst einmal Konditionierung. Sobald das Pferd aber auf den Click konditioniert ist, kann man ihn als wunderbares Kommunikationsmittel benutzen und dem Pferd ganz genau vermitteln, was man gerade von ihm möchte. Ich war früher auch sehr skeptisch, weil es mir zu mechanisch erschien, nachdem ich es aber mit unserem Schwarzwälder Wallach probiert hatte und gesehen habe, wie begeistert er mitgemacht hat und wieviel Spaß er dabei hatte, habe ich meine Meinung geändert. Mit meiner jetzigen Stute mache ich es dagegen überhaupt nicht mehr, weil sie ein ganz anderer Typ ist und viel weniger Spaß daran hatte. Ich würde es also auch immer sehr individuell einsetzen.
      Eine gemeinsame Beziehung ist für mich ebenfalls die absolute Grundlage für alles Tun mit dem Pferd – ganz unabhängig davon, welche „Methoden“ man dann darauf aufbauend verwendet :-)
      Das Argument, das Pferde untereinander nicht klickern, zieht für mich allerdings gar nicht, denn wenn wir nur das mit Pferden machen würden, was sie auch untereinander tun, wären wir ziemlich eingeschränkt. Das ist ja gerade das tolle an Pferden (und Tieren allgemein), dass sie so intelligent sind, dass sie sich auch auf andere Kommunikation einstellen und einlassen (Stimmkommandos, Reiterhilfen, Gartenhilfen, menschliche Körpersprache, …).
      Liebe Grüße
      Franziska

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